Wie sieht der Wilde Westen der USA, die Maya-Tempel in Mexiko, die Gipfel der Anden, der Amazonas, die unberührte Welt Surinams und das Orinoko Delta aus der Vogelperspektive aus? Oder der weltberühmte Bananenmarathon in Ecuador und der bunteste Karneval der Welt?

 

Allein eines dieser Natur- und Kulturspektakel bei einem Rundflug zu erleben, wäre für die meisten Menschen die Erfüllung eines Traumes.

 

Die beiden Berliner Doreen und Andreas, die ich letzten Freitag in Tegel getroffen habe, leben diesen Traum von der Freiheit über den Wolken und haben einige handfeste Abenteuer im Gepäck.

 

Seit dreieinhalb Jahren fliegen die beiden mit ihrem Trike, einem 100 PS starken Ultraleichtflugzeug, rund um die Welt. Sie werden dabei 89 Länder überfliegen und ungefähr 160.000 km zurücklegen. 2012 startete die Expedition und das Ziel heißt Australien.

 

Wie fliegende Nomaden fliegen die beiden mit ihrem „fliegenden Motorrad“ in 300 bis 5000 Meter Höhe über der Welt unterwegs. Aktuell machen sie einen Zwischenstopp in Deutschland – lange dauert der allerdings nicht, denn Ende März geht es weiter in die Dominikanische Republik.

 

Mit Doreen habe ich mich über die Pläne der Beiden für dieses Jahr, ihren Alltag, brenzlige Situationen und atemberaubende Momente unterhalten.

 

Doreen, Ihr seid jetzt seit dreieinhalb Jahren unterwegs. Wie ist der aktuelle Stand? Wie viele Länder habt ihr schon besucht und wie viele kommen noch?

Wir sind am 21.07.2012, dem 50. Geburtstag von Andreas, in Florida, USA gestartet und waren seitdem in Nord-, Mittel-, Südamerika und der Karibik unterwegs. Von unseren geplanten 89 Ländern haben wir schon 30 Länder geschafft.

 

Wann geht es denn wieder los?

Wir fliegen am 25. März mit dem großen Flieger zurück in die Dominikanische Republik, nach Santiago de los Caballeros, wo unser fliegendes Motorrad am Flughafen im Hangar steht. Nach einigen Tagen Vorbereitungszeit fliegen wir von dort weiter durch das Bermuda-Dreieck.

 

Wow. Was plant ihr für dieses Jahr?

Wir wollen von der Dominikanischen Republik erst mal bis nach Kanada. Dafür geht es über das Bermuda-Dreieck, Turks und Caicos, die Bahamas bis in die USA. Dort wollen wir unbedingt über den Hudson River fliegen und die Freiheitsstatue umrunden, bevor es dann nach Kanada geht. Im Juli oder August steht dann die schwierigste Etappe bevor: der Flug über den Atlantik nach Europa. Im September wollen wir dann wieder mal Station in Deutschland machen.

 

  • Flugplanung

  • Notlandung am Strand in Ecuador

  • Trike Globetrotter

  • Wolkenüberflug

  • Andenüberflug

  • Überflug Rio-de-Janeiro

 

Das hört sich alles unglaublich aufregend an. Aber bei „Atlantiküberquerung“ musste ich kurz schlucken. Das klingt für mich kalt, lang und schwierig. Wie macht ihr das?

Das ist die größte Herausforderung der Tour und wurde vorher noch nie mit einem offenen Ultraleichtflugzeug gemacht. Da wir nicht am Stück fliegen können, führt uns unsere Route von Kanada über Grönland, Island, die Faröer- und Schettland-Inseln nach Bergen in Norwegen. Leider muss Andreas aus Gewichtsgründen diese Etappe alleine fliegen, da er zusätzliche Tanks für diesen Überflug benötigt. Wenn alles gut geht, werden wir beide dann zusammen voraussichtlich Ende September in Deutschland und natürlich auch in Berlin einfliegen.

 

Euer Globetrotter-Leben ist ja schon außergewöhnlich, wie sieht bei euch denn ein normaler Tag aus?

Vor einem Flugtag gehen wir um 20 Uhr ins Bett, denn gegen 4 Uhr morgens klingelt der Wecker. Frühstück und selbst der Frühstückskaffee fallen weg, schließlich haben wir keine Bordtoilette. Um 5 Uhr sind wir am Flughafen, um das Trike flugfertig vorzubereiten. Den Papierkram erledigen und nochmals das Wetter prüfen. Ich packe, während Andreas die technische Überprüfung am Trike erledigt. Mit dem ersten Sonnenlicht heben wir dann ab. Gegen 10 Uhr erreichen wir den Zielflughafen. Dann heißt es: Trike sichern, auspacken, Formalitäten erledigen und ein Bettchen für die Nacht suchen.

 

Dusche, auch ganz wichtig. Danach Frühstück und Mittagessen in einem. Und dann muss der nächste Flugtag vorbereitet werden, d.h. Planung der Flugroute, Wetter prüfen, tanken, Akkus laden, Daten sichern und Wäsche waschen. Zum Abend ein kleines Bierchen, vielleicht noch einen Tatort auf dem iPad und dann schon vom nächsten Flug träumen.

 

Was ist das Besondere daran, mit einem Trike zu fliegen?

Das Gefühl, frei wie ein Vogel zu sein. Der Wind weht dir ins Gesicht und du kannst das Meer oder den Duft der Orangenplantagen zu deinen Füßen riechen.

 

Wahnsinn! Gab es bei all dieser täglichen Schönheit auch Momente, die euch besonders in Erinnerung geblieben sind?

Ja, es war schon ein einmaliges Erlebnis, in Rio de Janeiro um den Zuckerhut, die Copacabana und die Christusstaturezu fliegen. Die brasilianischen Behörden hatten eigens für 15 Minuten den Luftraum für uns gesperrt. An der Christusstatur waren wir so dicht dran, dass ich Christus fast die Hand schütteln konnte.

 

Atemberaubend war aber auch der Andenüberflug, auf den wir sieben Wochen lang gewartet haben. Und dann war es endlich soweit. Mit unserem kleinen Flieger über diese majestätisch anmutenden, weiß gekrönten Andengipfel zu fliegen, war unbeschreiblich. Kalt, aber wunderschön. Da bekommt man richtig Respekt vor der gewaltigen Natur. Übrigens hat es das vorher noch nie gegeben, ein Ultraleichtflugzeug mit zwei Personen ohne Bodencrew oder Begleitcrew über den Anden.

 

Ich habe ein youtube-Video gesehen, in dem ihr an einem Strand gelandet seid und Andreas sagt, dass das der schlimmste Flug überhaupt war. Was ist passiert und gab es noch andere gefährliche Situationen?

Die Notlandung war am Strand in Ecuador. Es war Flut und daher kein wirklicher Strand vorhanden. Aber das Wetter wurde so schlecht, die Wolken reichten bis zum Boden und Regen kam auf, das Andreas sagte: „Ich gehe jetzt hier runter.“ Ich dachte: „Ist er jetzt völlig verrückt geworden, das ist kein Strand, nur die kleine Landzunge mit dem weichen Sand, da werden wir uns überschlagen.“ Und schon ging’s runter. Die Fischer konnten gerade noch zur Seite springen, der erste Versuch schlug fehl, der zweite Anlauf glückte. In diesem Moment hab ich wirklich gebetet.

 

Gott sei Dank ist ja alles gut gegangen. Immer wenn ich in den vergangenen Tagen über euer Projekt gesprochen habe, kam die Frage nach der Finanzierung. Also, nur nochmal ganz knapp: Wie finanziert ihr euer Abenteuer?

Mit unseren Vorträgen „Überflieger“ und „Vogelfrei“, mit denen wir gerade deutschlandweit unterwegs sind. Wir haben Bücher geschrieben und Berichte und Fotos für Zeitungen wie DULV oder Aeromedia gemacht und auch Marketingtätigkeiten. Aber vor allem durch die große Gastfreundschaft der Piloten-Community und generell der Menschen.

 

Ihr seid auf unglaublich vielen Flughäfen gelandet. Wo wollt ihr unbedingt nochmal landen?

Ja, ich möchte sehr gerne auf dem BER landen und Andreas eher nostalgisch in Tegel.

 

Das wird schon klappen. Ich wünsche Euch noch viele tolle Erlebnisse, wenig Schreckensmomente und um mal in der Fliegersprache zu bleiben, always happy landings. Ach, und natürlich alles Gute für die Atlantiküberquerung.

Wer Lust hat mehr über Andreas und Doreens Abenteuer zu erleben, dem empfehle ich die Homepage (www.trike-globetrotter.de) der beiden. Bis zu Ihrem Abflug Ende März sind sie noch mit ihren Vorträgen in Deutschland unterwegs. Alle Informationen hierzu findet Ihr ebenfalls auf der Homepage.

 

Veröffentlicht am: 04.03.2016
von in Ganz nah, ganz fern
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Benjamin Recklies

Benjamin Recklies

Benjamin Recklies kam Anfang 2014 als Praktikant in die Pressestelle der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH. Die Arbeit gefiel ihm so gut, dass er nach Abschluss seines Studiums schon im November als Volontär zurückkehrte. Die internationale zivile Luftfahrt hat es ihm seit seiner Kindheit angetan. Vor allem die Verbindung aus Pressearbeit und Flughafen-Praxis faszinieren ihn. In unserem Blog wird er über aktuelle Themen rund um alle Flughäfen berichten, die er als Berliner schon seit 30 Jahren kennt.
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