Lufthansa fliegt seit 25 Jahren wieder von und nach Berlin. Dieses Jubiläum wurde im Oktober am Flughafen Tegel, unter anderem mit dem obersten Lufthanseaten Carsten Spohr, gefeiert. Was viele nicht wissen, ist, dass das Engagement der Airline in Berlin und Brandenburg weit über das bloße Fliegen hinaus geht. Die Lufthansa hat unter anderem Konzerntöchter für Wartung, für Kundenbetreuung, für digitale Innovationen und für die Schulung des fliegenden Personals in der Region angesiedelt. Letztere, die Lufthansa Flight Training in Berlin (LFT BER), habe ich besucht und will euch hier davon berichten.

 

Der erste A310 Simulator

Der erste A310 Simulator

Von alt bis neu ist alles dabei


Der Standort wurde ursprünglich Ende der 1980er von der Interflug gegründet und dann nach der Wende von Lufthansa inklusive eines Airbus A310-Simulators übernommen. Die Interflug hatte sich kurz zuvor entschieden, neben Sowjet-Flugzeugen auch auf Technik aus dem Westen zu setzen und daher einen Simulator für ihre A310 angeschafft.

 

Insgesamt betreibt die LFT in Berlin 12 Full-Flight Simulatoren, darunter für Boeing 737 und 777 sowie Airbus A320 und A330. Der älteste aktive Simulator in Schönefeld, für einen Airbus A310, steht übrigens schon fast genauso lange, wie die Lufthansa Flight Training in Berlin ist. Er wurde im Oktober 1991 in Betrieb genommen.

 

 

Früher wurde hiermit projiziert

Früher wurde hiermit projiziert

Wie funktioniert eigentlich ein Simulator?


Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten, denn es gibt jede Menge unterschiedlicher Trainingsgeräte. Flat Panel Trainer oder Flight Management System Trainer sind zum Beispiel nur zur Schulung bestimmter Verfahren geeignet. Full-Flight Simulatoren verfügen dagegen über ein Sicht- und ein Bewegungssystem und kommen dem realen Flugerlebnis sehr nahe.

 

Rechnerschränke der Simulatoren

Rechnerschränke der Simulatoren

Damit das gelingt, wird ein gesamtes Cockpit in Originalgröße mit allen Anzeigen, Schaltern, Hebeln und Fenstern in einen Kasten vor einer Projektionsfläche gebaut. Auf dieser Fläche wird dann in hoher Auflösung eine vom Computer simulierte Umgebung dargestellt. Dazu kommen natürlich auch noch alle Geräusche, die ein Flugzeug macht. Sie tragen wesentlich zu einem realistischen Eindruck bei. Dieser gesamte Kasten mit Cockpit wird dann auf sechs Hydraulik-Stelzen montiert, damit er bewegt werden kann. Beim Start werden dann zum Beispiel Bahnunebenheiten von der Befeuerung durch Rucke wiedergegeben und ein Steigflug wird dadurch simuliert, dass sich der Simulator nach hinten neigt. Das fühlt sich drinnen, wo ein Bild der kleiner werdenden Umgebung nach hinten und unten verschwindet und Triebwerks- und Windgeräusche zu hören sind, wie eine Beschleunigung nach vorne und oben an, obwohl man sich nur auf und nicht von der Stelle bewegt.

 

Links am Simulator zu sehen: Das Logo von airberlin

Links am Simulator zu sehen: Das Logo von airberlin

Crews aus aller Welt

Bei Lufthansa Flight Training in Berlin werden übrigens Piloten von gut 100 verschiedenen Airlines geschult. Deshalb stehen in Schönefeld auch Simulatoren von Flugzeugen, die Lufthansa gar nicht selbst in der Flotte hat, wie etwa von der Boeing 737-NG. Die Kunden kommen zum größten Teil aus Europa, schon wegen der geographischen Nähe, aber auch aus Übersee, unter anderem aus China.

 

Das Programm an Trainings und Schulungen, die in Schönefeld durchgeführt werden, ist sehr breit gefächert: Berufseinsteiger sind ebenso vertreten wie gestandene Flugkapitäne, die die Airline wechseln und andere Verfahren erlernen müssen oder Co-Piloten, die zum Kapitän aufsteigen wollen und dafür ihre Checks ablegen müssen.

 

Die Grenze Berlin-Brandenburg geht mitten durch das LFT-Gebäude

Die Grenze Berlin-Brandenburg geht mitten durch das LFT-Gebäude

Safety First

Apropos Checks: Eine Pilotenlizenz ist ja etwas schwerer zu bekommen als ein Führerschein. Ebenso verhält es sich mit dem Erhalt der Lizenz, man muss nämlich aktiv etwas dafür tun. Alle Verkehrspiloten müssen mindestens alle sechs Monate ihre Fähigkeiten nachweisen. Bei diesen Checks werden dann verschiedenste Probleme simuliert, zum Beispiel Triebwerksbrände oder Systemausfälle, und die Crew muss zeigen, dass sie das Flugzeug in jeder Situation wieder sicher landen bzw. auf der Bahn zum Stillstand bringen kann.

Veröffentlicht am: 03.12.2015
von in Luftverkehr
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Hendrik Rybicki

Hendrik Rybicki

Hendrik Rybicki stieß im Februar 2015 als Volontär zum Team der Pressestelle. Er begeistert sich von Kleinauf für die Luftfahrt und interessiert sich für alles rund um die Fliegerei, vor allem für zivile Motorflugzeuge - von der Cessna C152 bis zum Airbus A380. Da lag es nahe, nach dem Studium zur Pressestelle des Flughafens zu gehen, um sein Interesse für Journalismus und Politik mit dem an der Luftfahrt zusammenzubringen.
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