Am 19. Oktober wurde in Berlin gefeiert: 25 Jahre Lufthansa in Berlin. Das ist Anlass genug, um in Erinnerungen zu schwelgen. Neben der Deutschen Lufthansa der DDR wurde 1958 die Fluggesellschaft Interflug gegründet. Deren Kerngeschäft war der Linienverkehr (national und international), Langstrecken sowie der Charterverkehr. In diesem Zusammenhang erinnerte ich mich wieder, dass meine ehemalige Kollegin Elke Meister damals bei Interflug arbeitete. Bei einer Tasse Kaffee plauderten wir über alte Zeiten:

 

 

Elke, wie bist du eigentlich zur Interflug gekommen?
Interflug war ein Familienunternehmen: Mein Vater, mein Onkel und meine Cousine arbeiteten bereits dort. Außerdem hatte ich den Wunsch eine Berufsausbildung mit Abitur zu machen. Bei Interflug wurde ich dann innerhalb von drei Jahren zur Verkehrskauffrau ausgebildet.

 

Wie lange hast du bei Interflug gearbeitet?
25 Jahre: von 1966 bis 1991.

 

In welchen Bereichen warst du tätig?
Von 1969 bis 1975 arbeitete ich als Stewardess (heute: Flugbegleiterin), dann war ich im Verkaufsbereich tätig und bis Ende 1991 war ich Sales Managerin in der Abteilung Westberlin (BRD).

 

Ach, du warst Stewardess? Dein Traumberuf?
Ja, definitiv.

 

Erzähl bitte mehr! Wie lange dauerte denn damals die Ausbildung zur Stewardess?
Im Anschluss an meine Ausbildung zur Verkehrskauffrau wurde ich innerhalb eines halben Jahres zur Stewardess ausgebildet. Der rein theoretische Unterricht beinhaltete die Schwerpunkte Service und Sicherheit. Im Service lernte ich zum Beispiel, wie man das Essen, die Servietten und das Besteck richtig auf dem Tablett anordnete. Trolleys gab es nämlich nicht und alles musste separat zum Passagier gebracht werden. Was für ein Zeitaufwand!

 

  • © Archiv Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

  • © Archiv Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

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  • © Archiv Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

  • © Archiv Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

 

Welche Services gab es denn genau an Board?
Je nach Strecke wurde kaltes oder warmes Essen gereicht. Getränke und Zeitungen gehörten ebenfalls zum Service. Zigaretten (HB und Marlboro) gab es kostenlos auf Westcharterflügen. Ja, zu Interflug-Zeiten durfte an Bord noch geraucht werden.

 

Und das Thema Sicherheit wurde auch großgeschrieben?
In der Tat, alle zwei Jahre mussten wir zur Seenotübung an den Müggelsee. Für unsere Fitness wurde auch gesorgt: Einmal im Jahr fuhren die Stewardessen nach Breitenbrunn (Erzgebirge) ins Konditionslager zum Skilaufen oder Reiten.

 

Wie stand es um das äußere Erscheinungsbild einer Stewardess? Gab es zum Beispiel Schmink-Vorgaben?
In einem Kosmetiklehrgang bekam man Schmink-Tipps. Außerdem wurde strengstens darauf geachtet, dass wir mit Betreten des Flughafens unseren Hut sowie die Handschuhe trugen.

 

Welche Sprachen musstest du beherrschen?
Russisch und Französisch. Englisch lernte ich erst später über Weiterbildungsmaßnahmen.

 

Hattest du jemals „Stress“ mit einem Passagier?
Nein, schlimme Vorfälle gab es nicht. Ich erinnere mich eher an positive Begegnungen: Einmal kam ein Passagier auf mich zu und gab mir seine Spucktüte. Darin befand sich nicht das, was man jetzt erwartet. Vorsichtige schaute ich hinein und entdeckte einen Schokoriegel.

 

Erinnerst du dich an eine lustige Geschichte, die du während der Interflug-Zeit erlebt hast?
Ja: Das Fischkombinat Rostock betrieb damals u.a. Hochseefischerei vor Kuba. Die Schiffsbesatzungen wurden regelmäßig per Flugzeug ausgetauscht. Zu der Zeit arbeitete ich in der Verkaufsabteilung (in einem Bürogebäude in Schönefeld). Eines Tages standen zwei Fässer mit Salzheringen vor dem Eingang: Ein Dank der Reederei. Die riesige Menge wurde großzügig an alle Mitarbeiter verteilt.

 

Was kosteten in etwa die Flugtickets?
Das kann ich nicht genau sagen. Ich verkaufte hauptsächlich Vollcharter für TUI, Neckermann und andere Reiseveranstalter. Die Passagiere mussten in etwa 350-400 DM zahlen – das waren Schnäppchen für die Westdeutschen.

 

Gab es für die Mitarbeiter Vergünstigungen?
Ja, Mitarbeiter, deren Ehepartner und Kinder erhielten Vergünstigungen. Diese richteten sich nach der Zeit der Betriebszugehörigkeit. Nach zehn Jahren bekam man z.B. mehrere Freiflüge im Jahr. Ein beliebtes Ziel war Budapest: Morgens hin – shoppen – abends zurück.

 

Was passierte nach der Wendezeit? Kannst du dich noch an deinen letzten Tag bei Interflug erinnern? Wie ging es danach für dich beruflich weiter?
Mein letzter Tag bei Interflug war am 30. Juni 1991. Danach machte ich in der neu gegründeten Qualifizierungsgesellschaft eine Marketing-Weiterbildung. Ab Januar 1993 arbeitete ich in der Marketingabteilung der Flughafen Berlin Schönefeld GmbH bis April 2014 und jetzt befinde ich mich im „Unruhestand“.

 

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Elke!

Veröffentlicht am: 28.10.2015
von in Flughäfen Schönefeld und Tegel, Gesichter am Flughafen
Schlagwörter: , , , , | 2 Kommentare zu Interflug – Fliegen in der DDR
Susann Radecke

Susann Radecke

Susann Radecke ist dem Flughafen Schönefeld bereits seit über 10 Jahren treu. Durch ihre Ausbildung zur Luftverkehrskauffrau wurde ihr Interesse zum Tourismus und der Luftfahrt noch mehr geweckt. Daher schreibt sie im Blog überwiegend über Reisethemen. In der Pressestelle kümmert sich Susann u.a. um die Terminkoordination des Pressesprechers Ralf Kunkel, die Organisation von Dreh-, Foto- und Kundenanfragen.

Kommentare (2)

  1. Hans-Jürgen Rudolph schrieb am 4. März 2016:

    Hallo Susann . Nach Flugzeugen vom Interflug bin ich durch Zufall hier bei FBB gelandet .Momentan baue ich soweit sie es noch gibt als Modelle nach. Das zu meinem Hobby. In dem Zusammenhang bin auch auf einige Videos der Unglücks IL-62 gestoßen .Nun möchte Ich aber auf den Punkt kommen .Ich hatte eine Schulfreundin die als Stewardess beim Interflug gearbeitet hat .Wir sind zusammen in einem kleinen Dorf am Harz aufgewachsen .Der Vorname ist Ditlind geb. Duda .Könnte das die Stewardess sein die mit einer anderen Kollegin getauscht hat ? So hat man es mir damals wohl erzählt .Diese Sache lässt mich einfach nicht los .Sollten meine Zeilen von Ihnen gelesen werden würde ich mich freuen ,wenn Sie mir antworten .
    Mit freundlichen Grüßen
    Hans-Jürgen Rudolph

  2. Franziska PetersSusann Radecke schrieb am 9. März 2016:

    Lieber Hans-Jürgen,

    Informationen zu der Stewardess haben wir leider nicht. Vielleicht kann Ihnen das Deutsche Technikmuseum in Berlin weiterhelfen.

    Freundliche Grüße und weiterhin viel Freude beim Modell-Bau.

    Susann Radecke

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