Das Zülow Camp hat in diesem Jahr bereits zum elften Mal stattgefunden. Wir haben bereits in unserem Blog darüber berichtet. Jugendliche aus aller Welt treffen sich drei Wochen lang vor den Toren Berlins um gemeinsam zu leben und zu arbeiten. In diesem Jahr konnten im „Gutspark Groß Machnow“ durch die internationalen Helfer unter anderem 170 Meter Wegstrecke neu gestaltet werden. Wir sprachen mit Markus Mohn, dem zuständigen Koordinator des Workcamps über seine Liebe zur Natur und die Vorbereitungen des Zülow Camps.

 

Herr Mohn, wie hängen ihr beruflicher Werdegang und ihre Liebe zur Natur mit der Gründung des Zülow-Camps zusammen?

 

Ich bin in Berlin-Lichtenrade, nur wenige Minuten von der Berliner Mauer entfernt großgeworden. Mit dem Fall der Berliner Mauer wurde es dann spannend, es galt Neues zu erkunden. Durch eine Zufallsbegegnung auf dem Grenzsteifen in den Osterferien 1991 traf ich auf Menschen, die Pflöcke einschlugen und Markierungen anbrachten. Wir kamen ins Gespräch: „Bring doch morgen einfach einen Spaten mit und komm vorbei. Wir werden die Grenze aufforsten!“ So wurde ich Teil der Aufforstung des Berliner Grenzstreifen und in den Osterferien haben wir dann rund 60.000 junge Bäume gepflanzt.

 

Meine Naturverbundenheit hat ihren Ursprung sicherlich in der damaligen „Abgeschiedenheit“ Lichtenrades. Noch während meiner Schulzeit habe ich bei verschiedenen Jugendorganisationen von Umweltverbänden hineingeschnuppert. Nach dem Studium der Landschaftsplanung bin ich zur Geschäftsstelle des Landschaftspflege Vereins Mittelbrandenburg gekommen, der Kontakt dazu ergab sich durch die Aufforstung des Berliner Grenzstreifens 1991. Dort bin ich verantwortlich für den Bereich „Landschaft und Natur“. Das beinhaltet die Vorbereitung, Koordination und Begleitung von sogenannten Ausgleichsmaßnahmen, also der grüne Ausgleich für Bauvorhaben, die in Natur und Landschaft eingreifen.

 

Das Zülowcamp gibt es schon seit 2005. Insgesamt haben schon 188 Jugendliche aus über 34 verschiedenen Ländern teilgenommen. Wie kam es zur Gründung?

 

Auslöser das Internationale Workcamp ins Leben zu rufen war eine Initiative der damaligen Flughafengesellschaft. Die beruflichen Beziehungen des Landschaftspflegevereins zum Flughafen Schönefeld boten die Gelegenheit, ökologische Ausgleichsmaßnahmen in der Zülowniederung mit praktischen Umweltbildungsleistungen für und durch Jugendliche zu verbinden. Dies war die Geburtsstunde der Zülow-Pfleger. Und für mich war das eines meiner ersten konkreten Projekte im Verein.

 

 

Wie ging es dann weiter?

 

Ich habe Ideenskizzen zusammengestellt und mich nach Partnern umgeschaut. Bei den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten mit Sitz in Kreuzberg fand ich die erforderliche Kompetenz und Unterstützung. Schnell wurden auch die „Zülow-Pfleger“ mit in das Workcamp-Programm aufgenommen und international beworben.

 

Wann beginnen die Planungen für ein Workcamp und wie viel Zeit verbringen Sie mit den Teilnehmern?

 

Die Planung und Durchführung eines Workcamps ist für mich natürlich ein Lernprozess gewesen, aber mittlerweile kenne ich die Tücken und es hat sich eine gewisse Routine eingestellt. Im Dezember legen wir stets den Zeitraum und die groben Inhalte für das folgende Jahr fest. Die Bekanntmachungen und das Anmeldeprozedere für die Jugendlichen übernimmt der Internationale Jugendgemeinschaftsdienst. Mein Part ist es, rechtzeitig mit den Fachbehörden, der Gemeinde oder auch anderen Experten eine Planung anzufertigen, die Finanzierung abzusichern und zum Beispiel Genehmigungen für Denkmal- und Naturschutz einzuholen. In den letzten vier bis sechs Wochen vor dem Camp geht es darum, rund 20 Fahrräder flott zu machen, Werkzeuge zusammenzustellen, mit den Partnern vor Ort Dinge zu Unterkunft und Lagermöglichkeiten abzustimmen.

 

Während des Workcamps bin ich bei den Arbeiten für das Projekt ständig dabei – als Ansprechpartner für Erklärungen und natürlich auch zum Mitarbeiten. Nur Kommandos zu geben und auf Ergebnisse zu warten finde ich mehr als unfair. Viele der Teilnehmer haben noch keine Erfahrung mit Werkzeugen oder der umsichtigen Arbeit in der Natur und freuen sich über Hinweise. Am Ende soll jeder schließlich auch was lernen.

 

Wir machen gemeinsame Ausflüge, zum Beispiel besuchen wir die Flughafenfeuerwehr in Schönefeld oder den Infotower, gehen ins Regierungsviertel mit Besichtigung des Deutschen Bundestags, machen eine Berliner Kieztour oder aber wir schauen uns Schlösser und Gärten in Potsdam an. Die Jugendlichen laden mich auch schon mal zum gemeinsamen Mittagessen oder zu einem Grillabend ein. Wir verbringen also nicht nur reine Arbeitszeit zusammen.

 

 

Das klingt dennoch nach viel Arbeit im Vorlauf. Was motiviert Sie aufs Neue?

 

Das Tolle an der Idee der Workcamps ist, dass die Teilnehmer hochmotiviert sind und sich für ein soziales Projekt engagieren wollen. Für mich bedeutet das, in den drei Camp-Wochen mit den Jugendlichen tatsächlich etwas zu bewegen, ein Projekt zu realisieren und ein sichtbares Ziel zu erreichen. Das begeistert eigentlich alle Beteiligten immer wieder aufs Neue. Es macht immer wieder viel Freude, auch noch im elften Jahr.

 

Gibt es eine kuriose Anekdote zum Workcamp?

 

Wir statten die Zülow-Pfleger immer mit Fahrrädern aus, damit sie problemlos zum Supermarkt, zum See, zur Arbeit oder auch zum Bahnhof kommen. Radfahren gilt ja irgendwie als selbstverständlich. Im ersten Workcamp 2005 war es dann doch ein Problem – ein Mädchen aus Moskau saß in ihrem Leben noch nie auf einem Fahrrad. Ihre simple Erklärung: In Moskau müsse man lebensmüde sein, wenn man auf ein Rad steige und außerdem gibt es immer jemanden, der einen mit dem Auto mitnehmen könne. Naja, sie hat das Radfahren dann doch halbwegs von den anderen Teilnehmern beigebracht bekommen. Und in der Beschreibung des Zülow-Camps steht seit dem als Bedingung: „Ihr müsst Radfahren können.“

 

Sie wurden schon mehrfach für Ihr Engagement ausgezeichnet. 2005 wurde Ihnen der Umweltpreis des Landes Brandenburg verliehen und 2014 erhielten Sie den „dm-Preis für Engagement“. Macht sie das stolz?

 

Den Umweltpreis habe ich nicht alleine erhalten, sondern die „Umweltinitiative Teltower Platte“ dessen Leitung ich irgendwann übernommen hatte und bis heute weiterführe. 2014 kam dann der dm-Preis. Ich betrachte beide Preise als Anerkennung und auch Lob für unsere gemeinsame Arbeit. Und das macht mich auch ein kleinwenig stolz – klar.

Veröffentlicht am: 02.09.2015
von in Flughafen BER, Umwelt und Umland
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Benjamin Recklies

Benjamin Recklies

Benjamin Recklies kam Anfang 2014 als Praktikant in die Pressestelle der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH. Die Arbeit gefiel ihm so gut, dass er nach Abschluss seines Studiums schon im November als Volontär zurückkehrte. Die internationale zivile Luftfahrt hat es ihm seit seiner Kindheit angetan. Vor allem die Verbindung aus Pressearbeit und Flughafen-Praxis faszinieren ihn. In unserem Blog wird er über aktuelle Themen rund um alle Flughäfen berichten, die er als Berliner schon seit 30 Jahren kennt.
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