Viele Menschen sehen Flugzeuge als reine Transportmittel. Manche sind aber auch in Zeiten von Massenverkehr und Billigfliegern noch begeistert vom Fliegen an sich und träumen davon, Pilot zu werden. So schwierig ist das auch gar nicht. Es gibt ja neben einer beruflichen Karriere im Cockpit auch noch zahlreiche andere Möglichkeiten, die vom Fallschirmspringen und Segelfliegen über ultraleichtes Fluggerät und Kleinflugzeuge bis hin zu Hubschraubern und Privatjets gehen. Je nach Lust und Geld findet sich da für fast jeden etwas, ein wenig technisches Interesse und Zeit vorausgesetzt.

 

Da es mir auch so geht, dass mich das Fliegen um seiner selbst willen interessiert, habe ich mich mit Ulf Klett getroffen, als ich vor einigen Wochen den Flugplatz Schönhagen besucht habe, worüber ihr hier mehr lesen könnt. Ulf ist Vorstand im Hanseatischen Fliegerclub Berlin (HFC) und hatte angeboten, mir meine Fragen über das Fliegen, die Flugzeuge, die Ausbildung und den Club zu beantworten. Nach der Begrüßung in Schönhagen bot er mir gleich das „Flieger-Du“ an, eine sehr angenehme Angewohnheit unter Piloten.

 

Warum im Club fliegen?

Es gibt viele Gründe, die Fliegerei in einem Verein wie dem HFC zu betreiben. Ein großer Vorteil ist, dass man sich kein eigenes Flugzeug kaufen muss, denn das ist nicht gerade günstig. Überhaupt ist Fliegen leider nicht gerade das billigste Hobby, das man sich aussuchen kann. Die Mitgliedschaft in einem Verein stellt aber insgesamt eine der günstigsten Möglichkeiten zum Selberfliegen dar. Der HFC wurde ursprünglich in Hamburg von Mitarbeitern der Lufthansa gegründet, woher auch der Name rührt, er steht aber auch Nicht-Lufthanseaten offen. Von den rund 140 Mitgliedern sind gut 30 bei der größten deutschen Airline beschäftigt. In Berlin ging es in Tegel los, dann zog man über Tempelhof nach Schönefeld und landete vor fünf Jahren in Schönhagen.

 

Die Flotte des HFC besteht aus vier Flugzeugen: Eine viersitzige Piper PA-28 mit 180 PS, zwei viersitzige Cessna 172 mit 180 und 160 PS und eine kleinere, zweisitzige Cessna 152 mit 110 PS, die aufgrund ihrer niedrigen Kosten hauptsächlich für die Schulung eingesetzt wird. Diese drei Typen werden weltweit sehr viel in Vereinen und Flugschulen eingesetzt und sind auf so gut wie jedem kleineren Flugplatz zu finden. Sie werden bzw. wurden alle in großer Stückzahl gebaut und Ihre Technik ist dementsprechend sehr ausgereift.

 

Die Mitglieder fliegen ihre Flugzeuge aber nicht nur, sondern sie erledigen auch große Teile der notwendigen Wartung selbst. Das ist möglich, weil einige professionelle Flugzeugschrauber im Club sind, die als zertifizierte Mechaniker diese Arbeiten durchführen dürfen. Von der Prüfung der Wartung (in der Luftfahrt wird gern doppelt kontrolliert) hat man sich mittlerweile verabschiedet, weil es zu viel bürokratischen Aufwand bedeutet, wie mir Ulf bei unserem Gespräch erläutert. Man will ja schließlich vorrangig Fliegen und nicht übermäßig Papiere wälzen.

 

  • Die "Kilo November", eine der beiden Cessna 172 des Clubs, auf dem Vorfeld in Schönhagen.

  • Die Cowling (Motorhaube eines Flugzeuges) der "Kilo November" mit dem Schriftzug des HFC.

  • Die Cessna 152 "Echo Foxtrot" des HFC nach der Landung auf dem Weg zur Halle.

  • Die "Tango Tango" ist die zweite Cessna 172 des HFC und wurde gerade frisch lackiert.

  • Die Piper PA-28 "Echo Juliett" erinnert mit Lufthansa-Farben an die Ursprünge des Clubs.

 

Fliegen lernen beim HCF

Seit langem bildet der Club auch Piloten aus. Momentan gibt es zwölf Flugschüler, die alle eine PPL (Private Pilot License) anstreben. Die Ausbildung zur neuen europäischen Lizenz LAPL (Light Aircraft Pilot License) hat bisher noch kein Schüler gewählt. Das liegt vermutlich daran, dass die PPL auf der ganzen Welt anerkannt wird und nicht nur in Europa wie die LAPL. Außerdem spart man bei der LAPL-Ausbildung zwar zehn Flugstunden und damit auch Geld, die Stunden will man ja aber eigentlich sowieso fliegen und beim PPL fliegt man sie dann eben mit einem Fluglehrer, was in der Anfangszeit nicht unbedingt von Nachteil sein muss. Wenn man in der Fliegerei noch höher hinaus will, ist eine PPL ebenfalls der LAPL vorzuziehen, weil man mit ihr als Basis leichter höherwertige Lizenzen erwerben kann. So kann man zum Beispiel die CPL (Commercial Pilot License) machen und sich auch bis zur höchsten Lizenz, der ATPL für Verkehrspiloten (Airline Transport Pilot License), ausbilden lassen.

 

In der praktischen Ausbildung steht das sogenannte Airwork, also der handwerklich routinierte Umgang mit dem Flieger, im Vordergrund. So eine Routine ist schließlich die Grundvoraussetzung für sicheres Fliegen. Apropos sicheres Fliegen: Im Praxisteil kann es schon mal passieren, dass der Lehrer einfach während des normalen Fluges das Gas komplett rausnimmt und der Schüler spontan die Verfahren einer Not- bzw. Sicherheitslandung ausführen muss. Dabei geht man dann teilweise bis auf wenige Fuß über dem Boden runter, landet aber nicht. Das dient dazu, im realen Fall der Fälle auch tatsächlich sofort richtig zu reagieren. Dem alten Bonmot „Fliegen heißt Landen“ kommt in einer soliden Ausbildung eben nach wie vor eine starke Bedeutung zu. Neben dem praktischen Teil gibt es natürlich auch noch einen Theorieteil während der Ausbildung. Dazu gehören unter anderem Meteorologie, Motoren- und Technikkunde, Aerodynamik, Recht, Sprechfunk, Navigation, Flugverfahren und menschliches Leistungsvermögen. Alles in allem ist da einiges zu lernen. Die Motivation dafür lässt sich aber leicht steigern, wenn man die ersten Praxisstunden schnell nimmt und dadurch erfährt bzw. „erfliegt“, wofür man lernt.

 

Eine Pilotenlizenz ist leider nicht wirklich günstig. Das liegt zum größten Teil an den relativ hohen Kosten pro Flugstunde, von denen man laut Vorschrift im Fall der PPL mindestens 45 absolvieren muss, im Falle der LAPL mindestens 35. Die restlichen Kosten, zum Beispiel für Theorieunterricht und Ausrüstung halten sich im Vergleich dazu in Grenzen. Der HFC bietet die Schulung für eine PPL zum Festpreis von € 8.999 und die für eine LAPL zum Festpreis von € 7.199 an. Dafür müssen Interessierte vorher natürlich Club-Mitglied werden. Im Festpreis sind dann aber sämtliche Kosten bis auf das sogenannten Medical, die flugmedizinische Untersuchung, enthalten. Falls man mehr Stunden benötigt als vorgeschrieben, muss man diese extra zahlen, was aber nach Ulfs Aussage sehr selten vorkommt.

 

 

Im nächsten Teil meines Blogs lest ihr, wie es sich anfühlt, mit einer Cessna über Berlin und Brandenburg zu fliegen und womit man da eigentlich fliegt.

 

Veröffentlicht am: 04.08.2015
von in Luftverkehr
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Hendrik Rybicki

Hendrik Rybicki

Hendrik Rybicki stieß im Februar 2015 als Volontär zum Team der Pressestelle. Er begeistert sich von Kleinauf für die Luftfahrt und interessiert sich für alles rund um die Fliegerei, vor allem für zivile Motorflugzeuge - von der Cessna C152 bis zum Airbus A380. Da lag es nahe, nach dem Studium zur Pressestelle des Flughafens zu gehen, um sein Interesse für Journalismus und Politik mit dem an der Luftfahrt zusammenzubringen.
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