Tegel an einem Frühlingsmorgen, die Lufttemperatur liegt im einstelligen Bereich und die Sonne scheint auf dem langsam erwachenden Flughafen. Knapp zwei Stunden und 20 Minuten später landen wir auf dem rund 1600 Kilometern entfernten Flughafen von Catania, Sizilien, allerdings ohne den Sonnenschein aus Berlin mitgenommen zu haben. Sizilien empfängt uns in strömendem Regen, es ist aber zumindest mild. Alles riecht nach Frühling. Die Mandelbäume blühen, an den Straßen sprießen gelbe Blümchen und Strelitzien wachsen in Kreisverkehren. Eine Woche Urlaub auf der größten Insel des Mittelmeers. Bei einem Sizilien-Brainstorming wäre die Mafia bestimmt auf Platz eins gekommen, gefolgt von Ätna, Antike, Essen und Sonne.

 

 

8,5 Prozent der Gesamtfläche Italiens stellt Sizilien. Es gibt große und kleine Städte, dementsprechend schwer war es im Vorhinein, den Ort für eine Woche Ferien auszusuchen. Unsere Reisezeit zählt nicht unbedingt zur touristischen Hochsaison und bevor man in einem kleinen romantischen Dörfchen sitzt, indem allerdings kein Sizilianer lebt, kein Geschäft geöffnet ist und man sich täglich ausmalt, wie es hier im Sommer sein könnte, fiel unsere Wahl auf die Stadt Syrakus an der Südostseite Siziliens. Syrakus zählt knapp 100.000 Einwohner und unsere Hoffnung, normales sizilianisches Leben zu erleben, ging auf. Eine Wohnung über Airbnb zu mieten, war einfach. Unser Vermieter zeigte uns sofort nach unserer Ankunft seine Lieblingseisdiele, spendierte uns eine Kugel und stellte uns unserer Nachbarin für eine Woche vor, einer älterer Sizilianerin, die uns gleich mit frischen Orangen und Zitronen aus Ihrem Garten versorgte.

 

 

 

Syrakus ist berühmt für seine barocke Altstadt, die Halbinsel Ortygia. Im Kern steht der Jahrtausende alte Dom. Dieser wurde zu griechischer Zeit als Tempel für den Gott Apollon gebaut. Mit der Christianisierung wurde aus dem Tempel eine Kirche, indem man einfach die Säulen zumauerte, die man noch heute im Inneren des Doms bestaunen kann. Syrakus gilt als das „New York der Antike“, da die Stadt in der Antike mit über einer Million Einwohnern zweitweise mächtiger war, als das verfeindete Athen. Mancher Prunk hat die Jahrtausende überdauert. Die Altstadt besteht aus kleinen Gässchen mit typisch italienischen Cafés, Restaurants, der Flaniermeile der Stadt, dem Domplatz. Besonders schön ist der tägliche Markt mit Obst, besonders zu empfehlen sind hier Zitronen- und Orangen, Gemüse-, hier waren vor allem die grandios schmeckenden Tomaten ein Muss und frischem Fisch aus der Region.

 

 

Dem Thema Mafia begegnet man auf der Insel als Tourist eigentlich nicht. Wir wurden nur zufällig Zeugen einer sizilianischen Trauerfeier, mindestens 50 Personen in Schwarz, mitten unter ihnen wurde ein Sarg auf Händen aus der Kirche getragen. Flankiert wurde das Ganze von mindestens 30 Polizisten. Sofort schossen mir Klischee-Mafia-Film-Bilder in den Kopf. Es kann aber auch nur eine normale sizilianische Beerdigung gewesen sein. Auf jeden Fall bietet die Insel für die verschiedensten Ideen von Reisen oder Urlaub Möglichkeiten: Geschichtsliebhaber finden unzählige Stätten der Antike, wie z.B. den „Parco Archeologico della Neapoli“ in Syrakus mit seinem Amphitheater aus dem 6. Jahrhundert v.C, oder das herausragende Amphitheater des Städtchens Taormina, welches schon Goethe auf seiner berühmten Italienreise besuchte. Es liegt ein wenig oberhalb der Stadt und bietet ein einmaliges Panorama auf den Ätna und das Mittelmeer. Im Sommer werden dort Opern von Verdi bis Mozart aufgeführt. Taormina aber ist ein durch und durch touristisch geprägter Ort. Englische Pubs wechseln sich mit kleinen Cafés und Souvenirshops ab, sodass die Suche nach sizilianischer Ursprünglichkeit sich leider etwas schwierig gestaltet. Neben Relikten der Antike ist Sizilien aber auch reich an Palazzos und Kirchen aus dem 17. Jahrhundert, so zum Beispiel in den Städten Noto oder Catania, die mit imposanter Architektur beeindrucken können.

 

 

Sizilien ist aber auch ein Paradies für Wanderer und Radfahrer aus aller Welt, da Klima und Vegetation hier extrem divers sind. Der alles überstahlende Ätna mit seinen 3323 Metern liegt nur wenige Kilometer vom Mittelmeer entfernt, daneben gibt es eine Reihe weiterer kleiner Gebirge. Wer Aktiv-Urlaub mag, kann sich im Vorhinein einen Wanderführer zulegen und atemberaubende Orte und Landschaften erleben, die abseits vom touristischen Massenrummel einen ganz anderen Blick auf die Insel eröffnen. Wir haben dadurch zum Beispiel eine alte Thunfischfabrik am Meer entdeckt und sind an den sogenannten „Nekropolis von Pantalica“, den mehr als 5000 Kammergräber aus vorchristlicher Zeit, die in den Fels geschlagen sind, entlang gewandert. Den Ätna allerdings sollte man nicht in Eigenregie besteigen, da das Wetter hier sehr schnell umschlagen und für unerfahrene Bergsteiger zur Gefahr werden kann.

In einer Woche bekommt man nur einen kleinen Eindruck dieser vielfältigen Insel, insbesondere das Essen ist unglaublich gut. In Syrakus gibt es viele kleine Restaurants mit echt sizilianischer Küche, die nicht nur von Touristen überlaufen werden – hier treffen sich auch die Einheimischen. Durch die zusätzliche Möglichkeit, sich auf dem Markt mit frischen Lebensmitteln zu versorgen, bleibt kein kulinarischer Wunsch offen. In diesem Sinne ist Sizilien auch – oder vielleicht gerade – für jeden Naturliebhaber, Geschichtsbegeisterten und Gourmet in der Nebensaison eine Reise wert!

 

Bis bald Sicilia

 

Veröffentlicht am: 20.05.2015
von in Ganz nah, ganz fern
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Benjamin Recklies

Benjamin Recklies

Benjamin Recklies kam Anfang 2014 als Praktikant in die Pressestelle der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH. Die Arbeit gefiel ihm so gut, dass er nach Abschluss seines Studiums schon im November als Volontär zurückkehrte. Die internationale zivile Luftfahrt hat es ihm seit seiner Kindheit angetan. Vor allem die Verbindung aus Pressearbeit und Flughafen-Praxis faszinieren ihn. In unserem Blog wird er über aktuelle Themen rund um alle Flughäfen berichten, die er als Berliner schon seit 30 Jahren kennt.
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