Der oberste Grundsatz der Luftfahrt, „Safety First“, gilt natürlich nicht nur beim Fliegen, sondern auch am Boden. Deshalb lädt die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH einmal im Jahr zu den Safety Days ein. Davon gibt es jeweils einen in Schönefeld und einen in Tegel. Diese Veranstaltungen sind vor allem für Mitarbeiter gedacht, die auf dem Vorfeld und im Sicherheitsbereich arbeiten.

 

 

Neben vielen sinnvollen Tipps für die eigene Sicherheit und die der anderen, gab es hier ganz nebenbei auch die Gelegenheit, Kollegen aus anderen Bereichen und von anderen Firmen kennenzulernen. Mir erzählte zum Beispiel einer der Tankwagenfahrer von dem Tankstopp der privaten Boeing 747 eines gut betuchten Monarchen auf dem Weg nach New York, die aus Zeitgründen von vier Tankwagen gleichzeitig betankt wurde. Was es sonst noch bei den Safety Days zu sehen und zu erleben gab, könnt ihr hier lesen.

 

 

Sich mal richtig reinhängen – der Überschlagsimulator
Im Überschlagsimulator kann man ganz praktisch erfahren, warum man bei einem Crash in einem Lkw auf jeden Fall angeschnallt sein sollte. Im übertragenen Sinne gilt diese Erfahrung natürlich auch für Pkw-Fahrer. Dazu steigt man in die Fahrerkabine ein, schnallt sich an und wird mit der gesamten Kabine auf die Seite, auf den Kopf oder auch gleich einmal ganz im Kreis gedreht. Damit man sich dann auch vorstellen kann, wie es in der Realität wäre, werden mit einer ganzen Horde Kuscheltiere umherfliegende Gegenstände simuliert. Und wenn man sich dazu dann auch noch vorstellt, dass man selber die maximal möglichen 2,45 Meter (Kabinenbreite) bei guten 90 Km/h durch die Kabine fliegt und auf der Beifahrerseite gegen die Tür knallt, dann kommt man ganz schnell zu der Einsicht, dass Anschnallen wirklich etwas bringt. Abgesehen von diesem Lerneffekt macht die ganze Aktion auch noch richtig Spaß. Denn bei der Arbeit voll in den Seilen hängen kann man schließlich auch nicht jeden Tag.

 

  • Blick über die D-ABLC auf den Safety Day in Tegel © Hendrik Rybicki / FBB

  • Wenn etwas passiert wird es teuer - ein beschädigtes Flugzeugteil © Hendrik Rybicki / FBB

  • Kollegen beim Safety Day in Tegel © Hendrik Rybicki / FBB

  • Im Überschlagsimulator (1) © Friederike Herold / FBB

  • Im Überschlagsimulator (2) © Friederike Herold / FBB

  • Im Überschlagsimulator (3) © Friederike Herold / FBB

  • Beim Tanken ist natürlich besondere Vorsicht geboten © Friederike Herold / FBB

  • Ein Panther beim Safety Day in Tegel © Hendrik Rybicki / FBB

  • Cougar AS532 der Flugbereitschaft der Bundeswehr in Tegel © Sandro Kupsch / FBB

  • Fahren mit simulierten 0,8 Promille gestaltet sich anspruchsvoll © Hendrik Rybicki / FBB

  • Nicht gerade ein Lowrider - Gegen Schnee und Eis geht es hoch her © Friederike Herold /FBB

 

Betrunken fahren ohne zu trinken – der Fahrsimulator

Ähnlich unterhaltsam und gleichzeitig lehrreich ist der Simulator, bei dem man betrunken fährt, ohne zu trinken. Es geht zwar nüchtern los, aber während des Fahrens kriegt man urplötzlich 0,8 Promille in die Blutbahn gejagt und muss damit zurechtkommen. Mit deutlich eingeschränktem Gesichtsfeld zu den Seiten, einer sehr schwammigen und langsam reagierenden Lenkung und mit einer Bremse, die sich einige Gedenksekunden vor dem Verzögern gönnt, kann von sicherem Fahren keine Rede mehr sein. Soweit, so unsicher – aber man kommt schon irgendwie klar. Kritisch wird es, wenn ein Kind auf die Straße läuft oder ein anderer Autofahrer ohne Rücksicht einfach ausparkt. Und genau das passiert natürlich bei der Simulation. Das Kind hat bei meiner Fahrt zu seinem und meinem Glück unverletzt überlebt, dem ausparkenden Ford Mondeo hingegen habe ich den Kofferraum ein klein wenig verkleinert. Davon abgesehen war das mit dem Anfahren und der Kupplung auch nicht mehr ganz so einfach. Die Bilanz meiner Kollegin Friederike war am Ende ähnlich desaströs. Dieser Simulator bietet also eine wirklich interessante Erfahrung, die man sich im wahren Leben besser sparen sollte.

 

 

Schnell ist gut, zu schnell ist schlecht
Ein Flugzeug verdient nur Geld, wenn es fliegt. Jede Minute am Boden kostet bares Geld. Deshalb gehört eine gewisse Hektik zum Alltag am Flughafen. Dass diese Hektik manchmal in Konflikt mit dem Grundsatz „Safety First“ gerät, zeigten die Mitarbeiter am Stand von airberlin beim Safety Day in Tegel. Hier gab es Flugzeugteile zu sehen, die durch Kollisionen beim Abfertigen beschädigt wurden. Gefährlich für das Fliegen ist das nicht, denn wenn so etwas vorkommt, werden die Teile selbstverständlich getauscht. Für die Mitarbeiter am Boden hingegen kann so etwas sehr wohl gefährlich werden, z.B. wenn sie herunter fallende Teile abbekommen. Die Reparaturen solcher Zwischenfälle kosten teilweise sehr viel Zeit und damit wiederum viel Geld. Die einfache Lektion: zügiges Arbeiten ja, übertriebene Hektik nein.

 

 

Sonnenschutz ist Arbeitsschutz
Bei den Safety Days werden neben den spektakulären Dingen aber auch die einfacheren und eher unscheinbaren Themen behandelt. Denn zum Arbeitsschutz gehören neben Sicherheitsschuhen oder Ohrenschützern auch Cremes. Das klingt vielleicht erst einmal ein wenig komisch, gerade für viele Männer, die auf dem Vorfeld schwere Arbeiten verrichten. Es ist aber tatsächlich so, dass Sonnenschutz zum Arbeitsschutz gehört. Also wurde bei den Safety Days auch darauf hingewiesen, dass man Anspruch auf Sonnencreme vom Arbeitgeber hat und sich damit umfassend eincremen sollte.

 

 

Insgesamt waren die Safety Days für mich und hoffentlich auch für die anderen Teilnehmer eine wirklich lehrreiche und interessante Veranstaltung. Denn mit dem Spaßfaktor und durch die gute Stimmung wurden einem die wirklich wichtigen Dinge für die Arbeit am Flughafen auf eine sehr unterhaltsame und angenehme Weise näher gebracht. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf das nächste Mal.

Veröffentlicht am: 13.05.2015
von in Flughäfen Schönefeld und Tegel
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Hendrik Rybicki

Hendrik Rybicki

Hendrik Rybicki stieß im Februar 2015 als Volontär zum Team der Pressestelle. Er begeistert sich von Kleinauf für die Luftfahrt und interessiert sich für alles rund um die Fliegerei, vor allem für zivile Motorflugzeuge - von der Cessna C152 bis zum Airbus A380. Da lag es nahe, nach dem Studium zur Pressestelle des Flughafens zu gehen, um sein Interesse für Journalismus und Politik mit dem an der Luftfahrt zusammenzubringen.
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