Höher, schneller, weiter – auf diese knappe Formel lässt sich das Wettrennen um das schnellste Verkehrsflugzeug im Passagierverkehr bringen. Es ist zugleich auch eine Formel, die maßgeblich durch den kalten Krieg getrieben wurde.

 

Concorde © Ralf Manteufel

Concorde © Ralf Manteufel

„Königin der Lüfte“, „Donnervogel“ oder „fliegender Kugelschreiber“: So wurde einst die Concorde betitelt. Sie stellt das bis dato einzige überschallfähige Verkehrsflugzeug dar – glaubt man. Doch bereits 61 Tage vor ihr hob in der Nähe Moskaus die russische Tupolew TU-144 ab. Insgesamt 102 Linienflüge absolvierte die TU-144 bis Mai 1978, als bei einer Notlandung aufgrund eines Treibstofflecks zwei Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Ein Nachfolger wurde bis heute trotz vorhandener Pläne nie umgesetzt.

 

Auch der „Königin der Lüfte“ ging es nicht anders. Schwache Verkaufszahlen machten dem Gemein-schaftsprojekt von Briten und Franzosen zu schaffen. Die Schallmauer und insbesondere der Über-schallknall stellten sich hier nicht nur als rein physikalische, sondern auch soziale, weil Menschen beim Überflug über bewohntes Gebiet betreffende, Barriere heraus. Nicht einmal zwei Dutzend Flugzeuge wurden am Ende verkauft. Auch bei der Concorde fand der Betrieb mit dem Absturz bei Paris ein jähes Ende. Am 25. Juli 2000 kamen dabei 109 Insassen und vier Menschen am Boden um. Der letzte kommerzielle Flug der Concorde fand am 24. Oktober 2003 statt.

 

Doch jetzt soll es einen Nachfolger geben: Aerion AS2 soll als Gemeinschaftsprojekt des US-Milliardärs Robert M. Bass und Airbus bis zum Jahr 2021 ein linientaugliches Überschallflugzeug werden, das herkömmliche Langstreckenverbindungen in der Hälfte der heutigen Flugzeit bewältigen kann.

 

Concorde © Ralf Manteufel
Concorde © Ralf Manteufel

Bis zu 1,6 Mach, also (je nach Druck- und Temperaturverhältnissen) bis zu 1.900 km/h, soll das Flugzeug fliegen können und in einer Mischung aus unter- und überschallartigen Flugphasen die Strecke Chicago-Frankfurt in knapp fünf Stunden zurücklegen (reguläre Flugzeit: 9,5 h). Aufgrund einer speziellen Konstruktion sowie unter Nutzung der Eigenschaften unserer Atmosphäre kann bereits im niedrigen Überschallbereich über Land geflogen werden, was sonst wegen des lauten Überschallknalls verboten ist. Hierfür wird ein Effekt genutzt, der sich „Mach cut-off“ nennt. Dabei bricht der Überschallknall noch vor der Erdoberfläche, wodurch Menschen am Boden nicht belastet werden, was insbesondere für die Concorde ein großes Hindernis war.

 

Aerion AS2 © Aerion Webseite

Aerion AS2 © Aerion Webseite

In der Flugphase steigt die Aerion AS2 zunächst auf eine übliche Flughöhe (ca. 10.000 m) über Festland, bevor es schließlich bis auf 51.000 ft, d.h. mehr als 15.000 Meter über dem Meer, weitergeht. Hier erreicht sie dann auch ihre Höchstgeschwindigkeit.

 

Doch auch die Aerion AS2 verdient am Ende nur Geld, wenn Passagiere damit fliegen. Bis zu 19 Sitzplätze kann es in der Maschine geben. Erste Gespräche mit potenziellen Kunden haben gezeigt, dass über 600 kleine Überschalljets wie dieses am Markt abgesetzt werden könnten.

 

Es wird sich erst noch zeigen müssen, wie gut die Aussichten für die Aerion tatsächlich sind oder ob sie das gleiche Schicksal wie ihr Vorbild ereilt. Glaubt ihr, dass ein Überschallflugzeug dieser Art überleben kann?

 

Wir freuen uns auf eure Meinungen.

Veröffentlicht am: 06.02.2015
von in Luftverkehr
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Philip Friedrich

Philip Friedrich

Philip Friedrich absolvierte bei der Flughafengesellschaft ein duales Studium. Flugzeuge und -häfen – das waren schon immer seine Welt. Inzwischen ist Philip im Marketing unseres Unternehmens gelandet und u. a. für die Produktentwicklung zuständig. Innovative Ideen, aber auch kleine Verbesserungen, die das Produkt Flughafen besser machen, sind seine Kernaufgaben.
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