Gestern feierte ganz Deutschland den 9. November 1989 – das wohl bekannteste Datum der deutschen Nachkriegsgeschichte. Vielleicht wart ihr ja auch in der Stadt unterwegs, um an den vielen Feierlichkeiten teilzunehmen oder wart dabei als die symbolische Grenze aus Licht sich im Berliner Abendhimmel auflöste.

 

 

Tegel 1991

Tegel 1991

Anlässlich des Mauerfalls vor einem Vierteljahrhundert und dem im kommenden Herbst 25-jährigen Jubiläum der Wiedervereinigung wollen wir in unserem Blog eine kleine Hintergrundserie über die Geschehnisse der Zeit an den Berliner Flughäfen starten. Denn auch die Flughäfen haben eine bewegte Geschichte hinter sich. Wer könnte das besser erzählen, als unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich werde mich auf die Suche nach spannenden Geschichten der Kollegen machen.

 

 

 

Schönefeld 1992

Schönefeld 1992

Es werden Mitarbeiter, die die Zeit hautnah mitbekommen haben, zu Wort kommen. Es wird Berichte über Veränderungen und Entwicklungen an den Berliner Flughäfen geben und vieles Spannende mehr. Den Anfang macht eine kleine Chronik der Berliner Flughäfen.

 

Die friedliche Revolution brachte 16 Millionen Bürgern der DDR Freiheit. Freiheit ist ein vielfältiger Begriff, das von vielen ersehnte freie Reisen war nun endlich möglich. Man konnte in den Westen reisen und nicht nur in die kommunistischen Bruderländer. Europa, Asien, Afrika Australien und Amerika – alles war plötzlich erreichbar. Nur die (damals noch drei) Berliner Flughäfen boten bei Weitem nicht so viele Möglichkeiten, wie heute, ein Vierteljahrhundert später.

 

Die Geschichte des Luftstandortes Berlin begann 1894 im heutigen Lichterfelde; hier führte Otto Lilienthal seine ersten Flugversuche durch. Ebenfalls in Berlin wurde die Vorgängergesellschaft der heutigen Lufthansa gegründet. Der Flughafen Tempelhof war bei seinem Bau der größte und modernste seiner Zeit und prägte die Entwicklung moderner Terminals, wie wir sie heute kennen. Bis zu den Schrecken des Zweiten Weltkriegs war der Luftfahrtstandort Berlin eine Erfolgsgeschichte, mit der Teilung der Stadt allerdings erlosch dieses Licht. Schwer eingeschränkt durch den Viermächte-Status Berlins, litt die Stadt 44 Jahre lang unter den Folgen der Teilung. Die großen deutschen Drehkreuze entwickelten sich an anderen Standorten.

 

 

Luftansicht TXL

Luftansicht TXL

In Ost- wie West-Berlin entstanden in den 70er Jahren die heutigen beiden Flughäfen. In West-Berlin baute man auf dem Gebiet der Jungfernheide den Flughafen Tegel. Das charakteristische sechseckige Terminalgebäude (heute Terminal A und B) wurde am 1. November 1974 feierlich eröffnet. Aufgrund des Viermächte-Status durfte Tegel nur von Fluggesellschaften der Westalliierten angeflogen werden, dazu gehörten u.a. Pan Am, British Airways und Air France. Anfänglich herrschte in Tegel eine Ruhe, die man sich heute nicht mehr vorstellen kann, da die Airlines lieber in Tempelhof bleiben wollten, als nach Tegel umzuziehen.

 

 

Flughafen Schönefeld Terminal A

Flughafen Schönefeld Terminal A

Zwei Jahre nach der Eröffnung Tegels wurde in Schönefeld mit dem heutigen Terminal A der „Zentralflughafen Berlin Schönefeld“ in Betrieb genommen und 1985 um die beiden Terminals B und C erweitert. Anders als in Tegel galt der Viermächte-Status in Schönefeld nicht, da der Flughafen knapp hinter der Berliner Stadtgrenze liegt. Der Interflug war es so erlaubt als ostdeutsche Airline von und nach Berlin zu fliegen. Westberliner konnten auch von Schönefeld in Richtung Osteuropa und zu wenigen Zielen in Westeuropa starten. Nur ausgesuchten DDR-Bürgern war das möglich. Kaum bekannt ist, dass KLM, SAS, Finnair, Austrian und Turkish Airlines auch Schönefeld in ihrem Streckennetz anboten. Westberliner konnten von dort in den Urlaub starten.

 

 

Lufthansa in Berlin

Lufthansa in Berlin

Der 9. November 1989, der Tag, an dem die Mauer fiel, ist auch für die Berliner Flughäfen ein wichtiges Datum. Der Dornröschenschlaf war vorüber. Die Lufthansa wollte Tegel und Schönefeld wieder anfliegen, beides funktionierte erstmals 1990. In Schönefeld landeten die ersten Maschinen am 5. August und in Tegel am 2. Oktober. Die wirtschaftlich angeschlagene staatliche Fluggesellschaft der im Untergang begriffenen DDR, die Interflug, zu übernehmen, gelang der Lufthansa jedoch nicht. Das Bundeskartellamt verbot die Übernahme. Die Geschichte der Interflug endete mit dem letzten Linienflug nach Wien im April 1991.

 

Den internationalen Luftfahrtmarkt konnte Berlin durch die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 betreten, die Bundesrepublik erhielt die Lufthoheit zurück. Endlich konnten wieder Linienverbindungen deutscher Airlines von und nach Berlin angeboten werden.

 

 

Flughafen Berlin Brandenburg

Flughafen Berlin Brandenburg

In Berlin begann 1990 der Prozess des Zusammenwachsens zweier Städte. Der Luftverkehr musste neu koordiniert werden. Dazu gründete man 1991 als neue gemeinsame Betreibergesellschaft die Berlin Brandenburg Flughafen Holding GmbH, kurz BBF. Darunter vereinte man zwei Gesellschaften: Für Tegel und Tempelhof die Berliner Flughafen Gesellschaft (BFG), die es bereits seit 1924 gibt. In Ostberlin hieß die neue Betreibergesellschaft des Flughafens Schönefeld Flughafen Berlin Schönefeld GmbH (FBS). 2003 wurde die Holding aufgelöst und die BFG 100% Tochter der FBS, die auch federführend bei dem Bau des BER wurde. Zum Jahreswechsel 2011/12 wurde aus der FBS die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, kurz FBB.

 

 

Aufwachen aus dem Dornröschenschlaf.

Aufwachen aus dem Dornröschenschlaf.

Immer mehr Menschen zog nach es nach Berlin und gleichzeitig in die Welt. Im Wendejahr 1989 wurden knapp neun Millionen Passagiere in Berlin abgefertigt. Frankfurt, der größte deutsche Flughafen, hatte im selben Jahr knapp 30 Millionen. Die Passagierzahlen stiegen Jahr für Jahr, bis heute an. 1996 wurde beschlossen, am Standort Schönefeld mit dem Flughafen Berlin Brandenburg einen internationalen Großflughafen zu bauen. Mit dem Einstieg der Low-Cost-Airlines in Schönefeld, begann dann der Boom. 2003 hatte Schönefeld noch ein Passagieraufkommen von etwas mehr als 1,6 Millionen Passagieren; zwei Jahre später waren es bereits knapp 5 Millionen. In weniger als zwei Jahren hatte sich das Passagieraufkommen fast verdreifacht.

 

Die Zahlen in Tegel wuchsen fast jährlich, von 6 Millionen 1989 auf 18 Millionen im letzten Jahr. Die Prognose für dieses Jahr erwartet noch mehr Passagiere. Mehr Passagiere bedeuten auch, dass mehr Kapazitäten gebraucht werden. So haben Tegel und Schönefeld im Laufe der Jahre mehrfach ihr Erscheinungsbild verändert. In Tegel wurden 2001 die Terminals D und E eröffnet. 2007 erfolgte der komplette Neubau des Terminal C, dieses wurde anschließend mehrfach weiter ausgebaut: Heute gibt es die Terminals C1 – C3.

 

 

Flughafen Berlin-Schönefeld

Flughafen Berlin-Schönefeld

Auch in Schönefeld kam es zu einigen Erweiterungen. 1993 wurde das Terminal A modernisiert und bekam drei Flugastbrücken. Zehn Jahre später eröffnete das Pier 3a, wo heute vor allem easyJet abgefertigt wird. Das Terminal D, ähnlich dem Terminal C in Tegel, entstand 2005.

 

Im Winterflugplan 2014 stehen 130 Ziele in 46 Ländern, von Mannheim bis Abu Dhabi. 25 Jahre nach dem Mauerfall ist Berlin so besser in die Welt integriert als jemals zuvor.

Veröffentlicht am: 10.11.2014
von in Flughäfen Schönefeld und Tegel
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Benjamin Recklies

Benjamin Recklies

Benjamin Recklies kam Anfang 2014 als Praktikant in die Pressestelle der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH. Die Arbeit gefiel ihm so gut, dass er nach Abschluss seines Studiums schon im November als Volontär zurückkehrte. Die internationale zivile Luftfahrt hat es ihm seit seiner Kindheit angetan. Vor allem die Verbindung aus Pressearbeit und Flughafen-Praxis faszinieren ihn. In unserem Blog wird er über aktuelle Themen rund um alle Flughäfen berichten, die er als Berliner schon seit 30 Jahren kennt.
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