von Maren Kletzin

„Tourist point, Fundbüro, lost property“, auffällig gelb hängt das Hinweisschild im Terminal A des Flughafens Schönefeld. Und doch ist es mir bis jetzt nie aufgefallen. Es verweist direkt auf den daneben angesiedelten Souvenirshop. „Beyer Sprach- und Airportservice“ steht auf der Glasscheibe. Ein Souvenirshop mit Sprachservice? Und hier soll ein Fundbüro sein? Völlig richtig! Denn: „Vom Fundbüro allein kann man nicht leben. Dafür wird hier in Schönefeld dann doch zu wenig gefunden“, erklärt Ayman Beyer, der Besitzer des Fundbüros, lachend.

 

Das, was gefunden wird, ist dafür umso skurriler: Bohrmaschinen, eine Kettensäge, ein Hochdruckreiniger und sogar eine Poliermaschine waren schon unter den Fundsachen. Aber wie kann es sein, dass man eine Poliermaschine einfach am Flughafen vergisst? „Fluggesellschaften verlangen für den Transport solcher Gerätschaften Geld“, sagt Ayman Beyer. „Die Passagiere denken sich dann wohl, dass es einfacher ist, die Sachen am Flughafen stehen zu lassen, als eine Fracht aufzugeben. Die Poliermaschine stand im Erdgeschoss des Terminals und gehörte nicht der Flughafenreinigungsfirma. Deswegen ist sie bei uns gelandet.“

 

Ein Teddy sitzt traurig und verlassen auf einer Bank – Was tun?

Die meisten Dinge werden von Mitarbeitern gefunden. Aber auch Besucher des Flughafens können Fundsachen im Souvenirladen mit integriertem Fundbüro abgeben. Meistens sind es Brillen, Handys, aber auch Kleidungsstücke oder Kuscheltiere. Wenn die Gegenstände mit dem Namen des Besitzers versehen sind, wird der Besitzer über die Flughafendurchsage ausgerufen. Ansonsten werden die Fundsachen in eine Liste eingetragen und mit einem Formular versehen, das die Fundnummer, den Fundort und die Daten des Finders enthält. Sofern der Finder ein Besucher ist, hat er so später die Möglichkeit, Finderlohn zu erhalten. Weniger Glück haben die Flughafenmitarbeiter, die keinen Finderlohn bekommen.

 

Alle Koffer und Taschen werden von der Bundespolizei geöffnet und überprüft. Wenn ausgeschlossen ist, dass es sich um gefährliche Gegenstände handelt, werden die Fundsachen zunächst im Souvenirshop gesammelt und nach Schichtende in ein Zwischenlager nebenan gebracht. „Pro Tag sind es aber maximal drei Fundstücke“, sagt Ayman Beyer. Seit Januar dieses Jahres sind bisher knapp tausend Gegenstände in den Fundlisten verzeichnet worden. Vor allem Laptops und Tablets türmen sich in den Regalen des Zwischenlagers, das irgendwann natürlich auch an die Grenze seiner Kapazität stößt. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem die Sachen ins richtige Lager umziehen.

 

Fundsachen müssen sechs Monate aufbewahrt werden

Das Hauptlager des Fundbüros befindet sich auf der Luftseite des Terminals A hinter der zentralen Kontrollstelle. Auf dem Weg dorthin müssen die Fundsachen deshalb noch einmal die Sicherheitskontrolle passieren. „Schwierige Gegenstände, wie Messer oder dieser Säbel hier, lasse ich deswegen gleich im Zwischenlager. Da besteht keine Chance, das durch die Kontrolle zu bekommen“, erzählt Ayman Beyer. Der Säbel, der aussieht, als sei er geradewegs den Geschichten aus Tausend und einer Nacht entsprungen, stand herrenlos im Terminal und gelangte am 2. Mai ins Fundbüro. Vermutlich weil der Besitzer ihn nicht mit ins Flugzeug nehmen durfte.

 

Doch was passiert mit den eingelagerten Dingen? Knapp die Hälfte der Fundsachen findet tatsächlich ihren Weg zurück zum Besitzer. Der wird in der Regel jedoch nicht vom Fundbüro ermittelt, sondern von der Bundespolizei, die sich auch um das Öffnen von Koffern kümmert. All die Dinge, die nicht abgeholt werden, müssen sechs Monate lang gelagert werden. Anschließend werden die meisten Sachen versteigert. Denn nur so kann das Fundbüro Gewinn machen. Mit der Versteigerung wird das Auktionshaus Spier beauftragt; sowohl für Fundsachen aus Schönefeld als auch aus Tegel.

 

Die Versteigerung der Lagerbestände bringt dem Fundbüro den Gewinn

Ob und wenn ja, wie viel Gewinn das Fundbüro tatsächlich macht, ist vor der Versteigerung nicht klar. Das Auktionshaus bekommt pauschal einen Mindestgewinn und wird an allem, was darüber hinausgeht, ebenfalls prozentual beteiligt. Der Rest geht dann an das Fundbüro. „Im besten Fall waren das einmal etwa 2000 Euro. Im schlechtesten Fall haben wir aber auch schon Verluste gemacht, weil das Auktionshaus eben eine Pauschale bekommt, egal wie groß der Erlös der Versteigerung ist“, berichtet Ayman Beyer.

 

Die letzte Versteigerung fand noch vergangenes Jahr statt. Die nächste folgt in Kürze: am kommenden Dienstag, 29. Juli, 11 Uhr. Erst letzte Woche wurden deshalb die Lagerbestände in einen großen Transporter geladen und in die Bundesallee zum Auktionshaus gebracht. Im Moment sind deshalb nur noch die Kinderwagen, Koffer und Kleidungsstücke da, die nicht mehr in den Transporter gepasst haben. „Bis letzte Woche war hier nur ein Gang zum Laufen frei und sonst der ganze Lagerboden voll“, erzählt Ayman Beyer. Bis zur Decke stapeln sich die Fundsachen aber nie.

 

Dass man bei einem – nicht einmal sicheren – Gewinn von maximal 2000 Euro im Halbjahr nicht allein vom Betrieb des Fundbüros leben kann, ist klar. Doch an Geschäftsideen mangelt es Beyer nicht, der das Flughafenfundbüro erst seit vier Jahren betreibt.

 

Ayman Beyer hat ein Bewusstsein für die Probleme von Passagieren

Der 47-jährige, studierte Diplom Ökonom ist in Ägypten geboren und lebt seit 1988 in Deutschland. Weil er in seinem Beruf nicht die Jobs gefunden habe, die ihm Spaß machen, hat er 1999 ein Übersetzungsbüro für alle Sprachen gegründet. Seit 2005 ist dieses zusammen mit seinem dann eröffneten Airportservice am Flughafen in Schönefeld angesiedelt. Hier arbeitet er eng mit der Bundespolizei zusammen. Er wird immer dann gerufen, wenn beispielsweise Einreisebefragungen oder Vernehmungen von Passagieren nötig sind, die kein Deutsch sprechen. Ab und an begleitet er auch wichtige Staatsgäste als Dolmetscher auf dem Weg vom Flughafen zu ihrem Ziel.

 

Als die europäische Union im November 2006 die Verordnung verabschiedete, dass Flüssigkeiten im Handgepäck nur noch in einem durchsichtigen Plastikbeutel mit maximal einem Liter Fassungsvermögen mitgenommen werden dürfen, erkannte Beyer das Problem, vor dem nun viele Reisende an den Flughäfen standen. Keiner hatte einen passenden Beutel und schon gar nicht dort, wo man ihn brauchte: an der Sicherheitskontrolle. Kurzerhand stellte der findige Geschäftsmann Automaten an den Sicherheitskontrollen auf, an denen Plastikbeutel erworben werden können. „Ich war der Erste, der das gemacht hat, und habe mir die Idee auch patentieren lassen. Erst danach haben sich die anderen Flughäfen das abgeschaut“, erzählt Ayman Beyer stolz. Unter dem Label „fill&fly“ betreibt er die Automaten in Berlin und zwei weiteren Flughäfen.

 

Vor ungefähr vier Jahren kam dann die Flughafengesellschaft mit der Frage auf ihn zu, ob er nicht ein Fundbüro betreiben möchte. Bis dahin war GlobeGround für alle Fundsachen verantwortlich. Jetzt teilen sich das Fundbüro von Ayman Beyer und GlobeGround die Arbeit. Alles, was am Flughafen gefunden wird, landet beim Fundbüro; mit Ausnahme der Koffer, die bereits eingecheckt sind und deshalb ein Label haben. Dafür ist immer noch GlobeGround zuständig. Gleiches gilt für Dinge, die in den Flugzeugen vergessen werden. „Wenn aber ein Passagier zum Fundbüro kommt und sagt, er hätte im Flugzeug etwas vergessen, dann verweisen wir ihn an GlobeGround. Wir arbeiten eng zusammen“, versichert Ayman Beyer.

 

Wenn ihr also mal etwas am Flughafen verliert, keine Panik! Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es ein netter Mitmensch gefunden und im Fundbüro abgegeben hat.

Veröffentlicht am: 25.07.2014
von in Flughäfen Schönefeld und Tegel, Gesichter am Flughafen
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gastautor

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Egal, ob freie oder ehemalige Mitarbeiter, Kollegen aus anderen Abteilungen, Freunde des Flughafens oder ‚Flinke Federn‘ im Allgemeinen – unter der Kennung "Gastautor" schreiben alle, die nur sporadisch über den BER bloggen. Neue Perspektiven und ungewöhnliche Geschichten liefern Abwechslung für den Blog.

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