von Ute Kindler

  • Jedes Einsatzfahrzeug wird bei jedem Schichtwechsel gründlich durchgecheckt.

  • Ohne Teamwork geht bei der Feuerwehr gar nichts.

  • Fitness-Training der besonderen Art: mit 20 Kg Feuerwehrequipment auf die Endlos-Leiter.

  • Nur selten ist die ganze Mannschaft bei der Dienstbesprechung dabei.

  • In der Nordwachen-Werkstatt werden bis zu 700 Feuerlöscher pro Schicht gewartet.

  • Bis zu 150 Tonnen kann die Flughafenfeuerwehr mit Spezial-Bergegerät bewegen.

  • In der Feuerwache Tegel-Nord saß früher die französische Flughafen-Kommandatur.

  • Der ganze Dienstplan auf einen Blick.

  • Der ganze Dienstplan auf einen Blick.

  • Nach jedem Einsatz werden die Chemie-Schutzanzüge in einer Spezialwaschmaschine gewaschen

  • Millimeterarbeit mit der großen Drehleiter, die bis auf 42 m Höhe ausgefahren werden kann.

  • Millimeterarbeit mit der großen Drehleiter, die bis auf 42 m Höhe ausgefahren werden kann.

  • Das Herz der Feuerwache: die Leitstelle.

  • Ohne Kompressorschulung darf keine Atemluftflasche befüllt werden.

  • Die Hauptwache der Feuerwehr in Tegel, noch hoch gesichert aus alliierten Zeiten.

Unter der Maske wird es ganz schnell ungemütlich heiß. Schweißperlen stehen auf der Stirn, jeder Atemzug ist hörbar wie bei einem Tauchgang. Und – die Leitersprossen nehmen kein Ende. Burkhard Töwe, verantwortlich für die Atemschutztechnik, klettert im Fitnessraum langsam und konzentriert über ein seltenes „Sportgerät“: eine Endlos-Leiter. Auf den ersten Blick erinnert sie an eine Rolltreppe. Trainiert wird aber nicht im luftigen Sportdress, sondern in vollem Feuerwehroutfit samt Atemschutzausrüstung. Das sind rund 20 Kilogramm am Mann, wie bei einem richtigen Einsatz. Und zu derartigem Gerätetraining kommt mindestens zweimal in der Woche Konditions- und natürlich Krafttraining. „Wer das nicht durchzieht, macht irgendwann im Einsatz schlapp. Das kommt spätestens bei den jährlichen Fitness- und Gesundheitschecks raus. Und da sind die Prüfer knallhart“, sagt der Atemschutz-Spezialist. Ein Flughafenfeuerwehrmann muss körperlich topfit sein! Das ist schon einmal die Grundvoraussetzung für den Job.

 

Im Stockwerk darüber macht gerade Olaf Dobenzig, Leiter der 2. Wachabteilung, die Übergabe für die nächste Schicht. Dazu gehört auch das Wichtigste: der Flughafen-Generalschlüssel. Der 61jährige war schon bei den französischen Alliierten auf dem Flughafen Tegel im Dienst. Seitdem hat sich viel verändert. „Bei uns hier ist es ganz schön hektisch geworden, und die Stellen weniger“, sagt der 61jährige. „Und mit den steigenden Passagierzahlen haben sich auch die Einsätze extrem erhöht.“

 

Von draußen dringt das Donnern der startenden und landenden Maschinen in die Wache. Auf dem Flughafen ist mal wieder Rushhour. In der Hauptsaison werden am Flughafen Tegel rund 60.000 Passagiere pro Tag gezählt. Das spüren auch die Feuerwehrmänner. 2013 mussten Wache Süd und Nord über 3100 Mal ausrücken. „Und besonders zugenommen haben vor allem die Rettungsdiensteinsätze“, sagt Helge Schill, Leiter der Flughafenfeuerwehr Tegel. „Hier bewegen wir täglich eine ganze Kleinstadt“. Die Einsätze reichen vom verknacksten Fuß bis zum Herzinfarkt, über die Kontrolle von Schweißarbeiten an Wasserrohren bis hin zur Bergung eines Flugzeugs, das sich mit dem Bugrad festgefahren hat. Und dafür sind gerade mal 20 Mann im Einsatz, rund um die Uhr, in 24-Stunden-Schichten.

 

Auch heute geht es in der Feuerwache Süd nicht gerade ruhig zu. Als alle Einsatzfahrzeuge überprüft und erste Mini-Trainings stattgefunden haben, laufen bereits die ersten Notrufe ein. Mannschaftsbesprechung und Frühstück werden – mal wieder – vertagt.

 

Ralf Rupprecht, stellvertretender Wachabteilungsleiter, und Gruppenführer Thomas Fordan kommen gerade von der morgendlichen Probefahrt mit einem „Panther“ zurück. Die riesigen Flughafenlöschfahrzeuge fassen gut 12.500 Liter Wasser, 1.500 Liter Schaum und 500 Kilogramm Löschpulver. Wie jedes Einsatzfahrzeug werden sie täglich zu jedem Schichtbeginn akribisch überprüft. Heute meldet einer der Monitore im Führerhaus einen Fehler am Wasserwerfer. Im Cockpit vorn: hochgradig Hightech. Vieles wird nur noch per Joysticksteuerung bedient. Ralf Rupprecht weiß sofort, wo er nach dem Fehler suchen muss. Sekunden später ist der Wasserwerfer wieder funktionstüchtig. „Im Notfall können wir nicht erst die Gebrauchsanleitung für die Löschfahrzeuge lesen. Das muss im Schlaf sitzen“, sagt er und checkt noch einmal die komplizierte Technik.

 

Jeder Flughafenfeuerwehrmann muss alles können und zwar aus dem Effeff. Drei Minuten bleiben den Männern, um bei einem Einsatz jeden Winkel des Flughafens zu erreichen. Das fordern internationale Vorschriften. Deshalb gibt es auch eine kleinere Feuerwache im Norden, um das gesamte TXL-Areal abzudecken. Dazu kommt ein breites Spektrum an Insiderwissen: jeder muss jedes der 16 Einsatzfahrzeuge bedienen können – vom Rettungswagen bis zur großen Drehleiter -, jede Ecke des Flughafens samt Vorfeld und Gebäuden bis ins Detail kennen und sich ständig weiterbilden. Es gibt eine eigene Atemschutz- und eine Feuerlöscherwerkstatt, einen Bergefachmann und dazugehöriges Spezialgerät, das bis zu 150 Tonnen bewegt. Dazu kommen die Leitstelle oder die Schlauchwerkstatt und Equipment für gefährliche Fracht-Güter zum Beispiel chemische Stoffe.

 

Jeder ist ausgebildeter Rettungssanitäter, kann bei einer Boeing 737 die Tür öffnen, ohne die Notrutsche auszulösen oder nach Highspeedlandungen überhitzte Bremsen kühlen. Und im Winter wird auch mal Schneeräumen angeordnet oder eine Schicht im Streufahrzeug. „Wir müssen universell einsetzbar sein“, sagt Patrick Truhn, Leiter der 3. Wachabteilung. „Das ist zwar manchmal ziemlich stressig, aber anspruchsvoller als bei einer Feuerwache im Stadtgebiet“. Der 40jährige kam, wie viele Kollegen, von der Freiwilligen Feuerwehr zum Flughafen und ist jetzt schon 18 Jahre dabei. „Feuerwehr heißt lebenslanges Lernen“, sagt er ernst. Die Lehrgänge intern und auf Feuerwehrfachschulen dauern von drei Tagen bis zu 18 Monaten. „In der Regel braucht ein neuer Kollege drei bis vier Jahre ehe er hier auf dem Flughafen Tegel alles beherrscht.“

 

Oben aus der Küche riecht es nach Buletten. Wenn es die Zeit erlaubt, wird mittags selbst gekocht und gemeinsam gegessen. Am Nachmittag dann wieder Einsätze, Training, Schulungen. Heute wird am Kompressor geübt, damit die Sauerstoffflaschen der Truppe selbst befüllt werden können.

 

Eine Etage darüber sitzt Patrick Truhn schon am täglichen Papierkram. Andere warten auf ihren nächsten Einsatz. 24 Stunden bereit, sofort auszurücken. Da lernt man die Kollegen schon näher kennen als in anderen Berufen. „Wir sind hier 11 Tage und Nächte im Monat das ganze Jahr hindurch auf der Wache. Das ist eigentlich wie eine zweite Familie. Teilweise wissen wir hier mehr von unseren Kollegen als Ihre Ehefrauen“, erzählt der zweifache Familienvater lachend. Aber trotz des anstrengenden Schichtdienstes und der vielen Einsätze gibt es auch immer wieder schöne Erlebnisse, die für die stressige Arbeit belohnen. „Es macht einen schon stolz, wenn zum Beispiel der Notarzt nach einem Einsatz noch einmal anruft und uns die Rückmeldung gibt, dass ein reanimierter Patient überlebt hat“, sagt der Wachabteilungsleiter. „Dann wissen wir, dass sich unser Einsatz gelohnt hat.“

Veröffentlicht am: 03.07.2014
von in Gesichter am Flughafen
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gastautor

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Egal, ob freie oder ehemalige Mitarbeiter, Kollegen aus anderen Abteilungen, Freunde des Flughafens oder ‚Flinke Federn‘ im Allgemeinen – unter der Kennung "Gastautor" schreiben alle, die nur sporadisch über den BER bloggen. Neue Perspektiven und ungewöhnliche Geschichten liefern Abwechslung für den Blog.
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