Für viele Menschen ist er ein Traum – der Beruf des Flugbegleiters. So auch für Gilles Hübner, 21 Jahre alt. Der gebürtige Berliner arbeitet seit rund einem Jahr bei Germanwings, einer Lufthansa-Tochter. Ich habe ihn einen Tag lang begleitet und möchte Euch einen kleinen Einblick in die faszinierende Welt der Flugbegleiter geben.

 

Los ging es am Terminal A in Tegel. Gilles hatte an diesem Tag Spätschicht und holte mich von unserem gemeinsamen Treffpunkt ab. Auf dem Weg zum Flughafenbereich von Germanwings verriet er mir schon einmal wichtige Details aus seinem Arbeitsalltag.

 

Flugbegleiter, das ist nämlich viel mehr als das Verteilen von Getränken und Sicherheitseinweisungen. Für die Crew fängt die Arbeit schon lange vor dem Abflug beim Einsatz-Briefing an: informiert wird dabei jeder über tagesaktuelle Themen. Dazu gehören Fakten über die Passagierzahl, das Fluggerät oder beispielsweise über das Wetter am Destinationsort. Das dauert in der Regel 30 Minuten. Danach ging es auch mit uns in den Shuttlebus, der zur Parkposition der Maschine fuhr, die von TXL nach Nürnberg fliegen sollte.

 

Unterwegs erzählte mir Gilles, warum er sich für den Beruf entschieden hat: „Das ist eigentlich eine ganz profane Geschichte – es war mir in die Wiege gelegt. Ich habe mich schon immer für Flugzeuge interessiert und mich auf Flughäfen heimisch gefühlt. Für mich war es klar, später geht es einmal in diese Richtung. Als ich die Stellenausschreibung der Lufthansa Group las, habe ich mich einfach beworben – und wie man sieht, hat es geklappt.“

 

Nun standen wir vor der Maschine – einem Airbus A 319. Ich stieg zuletzt ein und beobachtete die Cabin Crew bei der Arbeit. Vor dem Flug wird nicht nur der Orangensaftvorrat überprüft, sondern vor allem sicherheitsrelevante Einrichtungen gecheckt. Die müssen im Falle einer Havarie funktionieren und Passagieren das Leben retten. Im A 319 war alles in einem einwandfreien Zustand. Danach konnten die Vorbereitungen für den Flug beginnen. Das Catering wurde sortiert und vorbereitet, die Getränke gekühlt und in die Bordtrolleys verstaut.

 

Dann war alles vorbereitet und Gilles erzählte mir, was er an seinem Beruf besonders mag: „Am meisten gefällt mir, dass ich keinen Arbeitsstress und keine beruflichen Sorgen mit nach Hause nehmen muss. Auch schön für mich ist das direkte Feedback der Passagiere. Ein absolutes Plus ist aber die Uniform. Ich muss mir keine Gedanken machen, was ich trage – ab in die Uniform, Haare gestylt und fertig. Die ein oder andere Minute spare ich morgens seitdem wirklich!“

 

Dann trafen die ersten Passagiere ein. Ich reservierte mir einen Sitz in der letzten Reihe und wartete, bis alle Reisenden ihren Platz eingenommen hatten. Dann kam auch schon die Sicherheitsanweisung. In Kurz- und Mittelstreckenjets der Lufthansa Group gibt es keine Bildschirme. Deshalb müssen die Flugbegleiter selbst Hand anlegen und zeigen, wie so ein Flugzeuggurt funktioniert oder wie die Schwimmweste im Notfall aufgeblasen wird. Für Vielflieger ist das nichts Neues, aber für jemanden, der noch nie geflogen ist, sind diese Informationen sicher von Nutzen.

 

Nun ging es endlich los, wir rollten zur Start- und Landebahn und warteten – Rush – Hour in Tegel. Einige Minuten später beschleunigte die Maschine und wir hoben ab. Kurz nach dem Start wurden dann Getränke und ein Snack gereicht. Nachdem die Trolleys durch die Kabine geschoben worden waren und alle Gäste versorgt, gab der Pilot schon wieder das Signal zur Landung. Die Signallampen zum Anschnallen des Flugzeuggurtes leuchteten auf – und schon waren wir wieder unten. Die Passagiere verließen die Maschine recht schnell und die Crew checkte noch einmal die Kabine und die sicherheitsrelevante Einrichtungen. Eine Viertelstunde später waren schon die nächsten Fluggäste an Bord – wie ich auf dem Weg nach Berlin-Tegel.

 

Selbe Prozedur, selber Ablauf. Alles sehr entspannt. Als wir dann wieder in Tegel gelandet waren, bedankte und verabschiedete ich mich bei der Kabinencrew und dem Piloten für den netten Flug. Für mich war es ein langer, aber sehr spannender Arbeitstag hautnah am Traumberuf „Flugbegleiter“.

Veröffentlicht am: 05.06.2014
von in Gesichter am Flughafen
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gastautor

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Egal, ob freie oder ehemalige Mitarbeiter, Kollegen aus anderen Abteilungen, Freunde des Flughafens oder ‚Flinke Federn‘ im Allgemeinen – unter der Kennung "Gastautor" schreiben alle, die nur sporadisch über den BER bloggen. Neue Perspektiven und ungewöhnliche Geschichten liefern Abwechslung für den Blog.
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