von Katja Schilling

Retten, Löschen, Bergen, Schützen: das sind die Aufgaben der Feuerwehr. Flugvorführungen, Luftfahrzeuge, Luftfahrtrends: das ist die ILA 2014. Die bedeutendste Luft- und Raumfahrtmesse in Deutschland lädt zum Besuch ein. Mehr als 200.000 Besucher werden auf dem 250.000 Quadratmeter großen ILA-Gelände erwartet, etwa 1.200 Aussteller aus 40 Ländern sind vertreten und rund 300 Luftfahrzeuge aller Größen und Kategorien werden präsentiert. Das Konferenz- und Flugprogramm der Messe ist umfangreich. Kurzum: Die ILA ist eine große Show mit erheblicher Verantwortung für tausende Menschen. ILA-Feuerwehr Team Flughafen Kein Wunder, dass Sicherheit einen hohen Stellenwert hat. Eine besondere Rolle kommt dabei der ILA-Feuerwehr zu, deren oberstes Gebot es ist, Leben zu schützen.

 

Die ILA dauert zwar nur sechs Tage, erfordert aber aufgrund ihrer Größe und Einzigartigkeit eine große Anzahl erfahrener Einsatzkräfte mit vielfältigem und gleichzeitig teilweise sehr speziellem Wissen. Ich habe mich also gefragt, aus welchen Mannschaften sich die ILA-Feuerwehr zusammensetzt, wie sie organisiert ist und welche Aufgaben sie im Detail wahrnimmt. Mein Besuch bei der Einsatzleitung der ILA-Feuerwehr förderte Wissenswertes und Spannendes zutage. Ich treffe die Einsatzleitung der Feuerwehr, die in der mobilen ILA-Feuerwache zwischen der Winterdiensthalle und der Feuerwache West des BER ihren Arbeitsplatz hat. Teilweise nacheinander, teilweise gleichzeitig spreche ich mit Hr. Frank-Olaf Gutsche, Einsatzleiter der Flughafenfeuerwehr, Hr. Dr. Christian Miller, Einsatzleiter der Bundeswehrfeuerwehr, Hr. Major Lindner, Flugsicherheitsoffizier, und dem Einsatzleiter Notfalldienst des Landkreises Dahme-Spree, Hr. Ronald Judis. Zwischendurch erhalten die Herren Anfragen übers Funkgerät und der ein oder andere muss kurz das Gespräch unterbrechen, um etwas zu klären. Die Lage ist zwar ruhig, aber es gibt tausend Dinge zu klären und zu koordinieren.

 

Zusammenarbeit dreier Feuerwehren

Auf der ILA arbeiten die Feuerwehren des Landkreises Dahme-Spreewald (LDS), der Bundeswehr und des Flughafens Hand in Hand. Der Landkreis ist für alle landseitigen und gebäudebezogenen Themen und Notlagen auf dem ILA-Gelände zuständig, die Bundeswehrfeuerwehr und die Flughafenfeuerwehr sind für die Luftseite verantwortlich. Die Kooperation der Feuerwehren ist dementsprechend eng. Einsatzleitzentrale der ILA-Feuerwehr LandseiteDer Landkreis stellt den Einsatzleiter Notfalldienst für die Landseite. Ausgebildete Disponenten der Regionalleitstelle Cottbus sowie ein Disponent der Bundeswehr koordinieren alle Einsätze in der ILA-Feuerwehrleitstelle. Alle die ILA betreffenden Anrufe, Hinweise und Notrufe gehen dort ein.

 

Während der Messe sind jederzeit 71 Feuerwehrkräfte plus drei Einsatzleiter auf dem Messegelände im Einsatz. Je nach Schadensereignis übernimmt ein Einsatzleiter gemäß seiner Zuständigkeit. Die jeweils anderen unterstützen in Amtshilfe. Jederzeit heißt in der Zeit von 07.30 Uhr bis etwas 20.30 Uhr. Der Landkreis LDS stellt zwei Züge mit insgesamt 44 Personen. Die Kollegen kommen aus Cottbus, Potsdam und Frankfurt/Oder. Die Bundeswehr ist mit 21 Spezialisten aus dem gesamten Bundesgebiet plus einem Einsatzleiter auf der ILA. Die Flughafenfeuerwehr unterstützt die Messe mit fünf Kollegen und einem Einsatzleiter. Die Einsatzkräfte der Flughafenfeuerwehr (mit Ausnahme des Einsatzleiters) verrichten den Dienst aus ihrer Freizeit heraus. Für den Zeitraum der ILA sind sie von der Messe beauftragt.

 

PilotenretterDer Fuhrpark der Feuerwehren kann sich sehen lassen: Zwei Löschzüge der Feuerwehr des Landkreises, neun Flughafenlöschfahrzeuge der Bundeswehr, zwei Flughafenlöschfahrzeuge der Flughafenfeuerwehr, zwei Einsatzleitwagen und ein Pilotenretter stehen bereit. Hinzu kommen diverse Rettungswagen, Krankentransport- und Notarztwagen. Allein die Einsatzfahrzeuge der Bundeswehr- und der Flughafenfeuerwehr sind mit 57.400 Liter Wasser sowie 6.500 Liter Löschschaum zum sofortigen Einsatz bestückt.

 

Schutz steht im Vordergrund

Wegefreiheit sicherstellenDie Aufgaben der ILA-Feuerwehr sind vielfältig. In erster Linie wird präventiv gearbeitet. Vorbeugende Maßnahmen, die in konkrete Sicherheitsanweisungen münden, und die stetige Vorbereitung der eigenen Mannschaft für den hoffentlich nicht eintreffenden Notfall sind das A und O auf der Messe. So wird zum Beispiel allmorgendlich eine Kontrolle der Flächen, insbesondere der Start- und Landebahn durchgeführt. Das Messegelände wird abgefahren und dahingehend überprüft, ob die erforderliche Wegefreiheit gewährleistet ist oder die Wasserabnahmestellen freigehalten werden. Erkenntnisse und Absprachen aus den morgendlichen Lagebesprechungen bzw. jederzeit eingehende Hinweise werden an die Teams weitergegeben und von diesen umgesetzt. Zusätzlich werden die Feuerwehrkräfte der Luftseite in die Risiken und Spezifika eines jeden Flugzeugs der ILA eingewiesen. Drei Einsatzfahrzeuge der Bundeswehr stehen durchgehend im Stand-by an der Start-und Landebahn, beobachten das Gelände und analysieren Auffälligkeiten von Flugzeugen während der Vorführungen und Flugzeugstaffeln.

 

Zusätzlich sichert die Feuerwehr alle Tankvorgänge auf der ILA – zum einen unter dem Blickwinkel Brandschutz, zum anderen unter Umweltgesichtspunkten. Sollte der Fall eintreten, dass Flüssigkeiten auslaufen, kann umgehend mit Ölbindemitteln eingegriffen und Umweltschäden verhindert werden.

 

Wenn ein Notfall eintreten würde

Aktives Retten, Löschen und Bergen ist im Notfall gefragt. Die Definition des Notfalls reicht von der Luftnotlage bis zum Flugunfall. Eine Luftnotlage tritt zum Beispiel dann ein, wenn der Pilot bemerkt, dass mit seinem Luftfahrzeug etwas nicht in Ordnung ist. Dies kann von der fehlerhaften Instrumentenanzeige bis zum Vogelschlag reichen. Eine solche Situation würde sofort alle Einsatzkräfte (Feuerwehr, Notarzt, Flugsicherheitsoffizier und Bundeswehrtechnik – die beiden letzteren, wenn Militärmaschinen betroffen sind) in Bereitschaft versetzen. In den meisten Fällen endet eine Luftnotlage mit einer sicheren Landung. Am Ort der Landung würde dann geklärt, ob weiteres Eingreifen notwendig ist oder nicht. In jedem Fall wird das Flugzeug von der Feuerwehr begleitet, bis es sicher abgestellt ist. Kann keine sichere Landung herbeigeführt werden, droht die Notlandung oder im schlechtesten Fall der Flugunfall. In diesem Fall würden die jeweils erforderlichen Rettungs- und Gefahrenabwehrmaßnahmen ergriffen werden. Diese Maßnahmen reichen von der erforderlichen Absperrung des Unfallortes über die Koordination von Technik, Ärzten, Spezialisten bis hin zur Beweissicherung und Beweisaufnahme.

 

Flughafenlöschfahrzeug der BundeswehrIm Falle einer Notlandung oder gar eines Flugunfalls ist Zeit der kritische Faktor. Brandtests haben gezeigt, dass innerhalb von 40 Sekunden die Temperatur im engen Cockpit eines Jets auf kritische Temperaturen steigt. Nach mehr als einer Minute ist kein Überleben mehr möglich. Darum muss im militärischen Notfall die Feuerwehr innerhalb einer Minute ab Alarmierung vor Ort sein und zwingend mit der Löschmittelabgabe begonnen haben. Das geben die Richtlinien der Bundeswehr so vor. Das Löschmittel kühlt die Temperatur in der Maschine und Lebensrettung wird möglich. Die Einsatzzeiten in der zivilen Luftfahrt basieren auf der Richtlinie der ICAO, Annex 14, Vol. 1, Kapitel 9. Konkret heißt das, sollte eine zivile Maschine betroffen sein, muss mit der Löschmittelabgabe innerhalb von zwei bis drei Minuten ab Alarmierung begonnen werden. Nichtsdestotrotz: Die Feuerwehren müssen schnellstmöglich am Einsatzort sein. Je weiter die gesetzlich vorgegebene Zeit unterboten werden kann, desto besser.

 

Auf der Luftseite gilt also: Ist ein militärisches Luftfahrzeug betroffen, wozu auch die Militärmaschinen anderer Nationen gehören, hat die Bundeswehr den Hut auf. Handelt es sich um ziviles Fluggerät, leitet die Flughafenfeuerwehr den Einsatz. Grund dafür ist neben der zeitlichen Prämisse auch das erforderliche spezifische Know-how. Militärmaschinen haben einen anderen Gefährdungsgrad als zivile Maschinen. Je nach Typ, Bauart und Bestückung weisen sie andere Risiken auf und erfordern schnelles, konkretes und typangepasstes Handeln. Darum ist die Bundeswehr mit Spezialisten vom Hubschrauber bis zum Kampfflugzeug vor Ort. Trotz der klaren Regelung zum Leitungseinsatz wird in jedem Fall gemeinsam mit dem anderen Partner gehandelt. Einsatzleitung Luftseite mit EinsatzwagenDie Einsatzleiter der Bundeswehrfeuerwehr und der Flughafenfeuerwehr sitzen gemeinsam in der Einsatzleitzentrale oder fahren zusammen zum Ort des Geschehens, wenn erforderlich. So greifen Fachwissen und Schnittstellenwissen unmittelbar ineinander. Ist auf der Landseite, wo die Feuerwehr des Landkreises verantwortlich ist, z.B. in den Ausstellungshallen ein Flugzeug betroffen, kommt bei Bedarf die Bundeswehrfeuerwehr hinzu.

 

Nach der ILA

Bleibt zu wünschen, dass es auf der ILA 2014, wie auch in den letzten Jahren, bei kleineren Einsätzen bleibt und alle Einsatzkräfte im Anschluss in ihre Wachen und Regeltätigkeit zurückkehren können.

Veröffentlicht am: 23.05.2014
von in Luftverkehr
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gastautor

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Egal, ob freie oder ehemalige Mitarbeiter, Kollegen aus anderen Abteilungen, Freunde des Flughafens oder ‚Flinke Federn‘ im Allgemeinen – unter der Kennung "Gastautor" schreiben alle, die nur sporadisch über den BER bloggen. Neue Perspektiven und ungewöhnliche Geschichten liefern Abwechslung für den Blog.
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