von Ute Kindler

Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine kleine Ampelanlage. Ein Pünktchen nach dem anderen wird grün. Das zeigt, dass wie geplant, alle 20 Lärmmessstellen gerade die aktuellen Messdaten übertragen, während der Eurofighter nach seinem Probeflug schon wieder auf dem Rückflug nach Rostock-Laage ist. Die Zahlenkolonnen auf dem Computermonitor werden länger: 76,3 dB, 88,4, 82 – jede Sekunde des ILA-Probeflugs wurde akribisch überwacht und dokumentiert. Anhand der langen Listen und Werte kann genau nachvollzogen werden, welches Manöver für einen höheren Lärmpegel verantwortlich ist.

 

Kai Johannsen, Teamleiter Fluglärmüberwachung bei der Flughafengesellschaft, runzelt die Stirn, sobald ein ILA-Flieger an den Rand der genehmigten Messe-Lautstärke gerät. Dann gibt es Gesprächsbedarf mit den zwei Kollegen von der Bundeswehr, die mit ihm im abgedunkelten Raum im obersten Stockwerk des ILA-Towers sitzen. Die Bundeswehr hat ihre eigene Hard- und Software auf den Tischen aufgebaut: eine mobile Variante der zentralen Flugüberwachung der Bundeswehr inklusive Datenbank für den bundesweiten militärischen Flugbetrieb. Und weil die ganze Elektronik damals in einen hübschen blauen Flightcase verpackt wurde, heißt das ganze Technikequipment salopp: blauer Klaus.

Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH hat zur ILA alle Messstellen aktiviert, die vorhanden sind, auch die sieben an der bisher ungenutzten neuen Südbahn. Insgesamt sind es 18 feste Messstellen. Zwei mobile Messstellen wurden darüber hinaus noch in dieser Woche in Rotberg und Groß Kienitz aufgebaut. Die weißen Kastenanhänger sind mit modernster Elektronik und frisch kalibrierten, hochsensiblen Mikrofonen ausgerüstet. Und dann ist noch ein unabhängiges Ingenieurbüro für mobile Einsätze unterwegs. ILA-Zeit bedeutet für Mensch und Material in der Umweltabteilung der Berliner Flughäfen jedes Mal Hochsaison für Lärmmessungen.

 

Kein Wunder, denn die Auflagen sind streng. Dafür sorgt schon die Luftfahrtbehörde, die auch das Geschehen auf der internationalen Luft- und Raumfahrtmesse überwacht. Auch wenn die ILA ohne Flugvorführungen nicht denkbar wäre, müssen sich Aussteller und Piloten an genaue Lärm-Regeln halten. Nur 19-mal pro Tag dürfen 94 dB überschritten werden. Werden die vorgeschriebenen Höchstwerte 19-mal erreicht, müssen die nachfolgenden Flugvorführungen gestrichen werden. Da gibt es kein Pardon.
Gemessen wird schon jetzt beim Einfliegen der vielen Ausstellungsstücke und während der Probeflüge von Bundeswehr und Luftfahrtindustrie. Und das setzt sich bis zum 25. Mai fort. Und damit jeder nachvollziehen kann, wer da gerade etwas lauter durchstartete, werden die Messergebnisse auch online veröffentlicht. Mehr

Veröffentlicht am: 16.05.2014
von in Luftverkehr
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gastautor

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Egal, ob freie oder ehemalige Mitarbeiter, Kollegen aus anderen Abteilungen, Freunde des Flughafens oder ‚Flinke Federn‘ im Allgemeinen – unter der Kennung "Gastautor" schreiben alle, die nur sporadisch über den BER bloggen. Neue Perspektiven und ungewöhnliche Geschichten liefern Abwechslung für den Blog.
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Kommentare (1)

  1. Fred minni schrieb am 20. Mai 2014:

    Lust auf mehr!

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