Viele Luftfahrtinteressierte wissen, dass der Flughafenalltag ohne Lotsen nicht funktionieren würde. Doch was machen Fluglotsen im Detail?

 

Ralf Gaida, 49 Jahre alt, hat mir gezeigt, wie sein Arbeitsplatz aussieht.

 

Ich muss schon sagen: Auf dem zweithöchsten DFS-Tower in Deutschland zu sein, ist beeindruckend. Die Aussicht von 68 Meter Höhe ist einfach einmalig! Trotzdem bleibt Ralf Gaida gelassen: „Ich sehe das jeden Tag, für mich ist das mittlerweile Alltag.“

 

Seit ca. 25 Jahren ist er als Fluglotse – streng genommen als Towerlotse – tätig und es gab keinen Tag, an dem Ralf Gaida seine Berufswahl bereut hatte. Wer sich als Fluglotse bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) bewirbt und den fünftägigen Einstellungstest besteht, kann seinen Ausbildung entweder in einem Tower oder Center (Kontrollzentrale) absolvieren. Denn es gibt eine grundlegende Unterscheidung: Lotsen in der Towerkanzel kümmern sich um den gesamten Flugverkehr am Flughafen und in der dazugehörigen Kontrollzone. Dazu gehört auch die Kontrolle des Fahrzeugverkehrs auf den Flugbetriebsflächen. Towerlotsen sind somit näher an der Luftfahrt und haben einen engeren Bezug zu Mitarbeitern des Flughafens und der Airlines. Die Kollegen in den Kontrollzentralen sitzen oft weit weg von den Flughäfen und die Kommunikation findet ausschließlich über Telefon, Funk und Radar statt. „Diese Atmosphäre kann man auch mögen, mir ist mein Tower aber deutlich lieber!“, betont Ralf Gaida.

 

An diesem Beruf fand er schnell großen Gefallen: „Die Arbeit ist so vielseitig, man weiß nie, was einen erwartet, wenn man zur Arbeit kommt. Es ist auch nicht durchgehend stressig, sondern eher phasenweise, morgens oder am späten Nachmittag.“ Die Tätigkeit als Fluglotse im Schichtdienst ist zudem gut mit dem Privatleben vereinbar, Arbeits- und Pausenzeiten sind klar geregelt, entsprechend kann man sich Zeit für Familie und Hobbies nehmen.“

 

Seit der Inbetriebnahme im März 2012 ist er bereits auf dem künftigen BER-Tower tätig. Zuvor arbeitete er auf dem alten DFS-Tower in Schönefeld und für fünf Jahre auch auf dem damaligen Kontrollturm am Flughafen Tempelhof.

 

Der Beruf des Fluglotsen ist gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Allein den Einstellungstest zu bestehen, erfordert viele Fähigkeiten und Fertigkeiten, die größtenteils nicht erlernbar sind, wie: einwandfreies Farbsehen, räumliches Vorstellungsvermögen, Multitaskingfähigkeit, hohes Verantwortungsbewusstsein, , Stressresistenz und natürlich die Begeisterung für die Luftfahrt. Entscheidend dabei ist jedoch die Kombination! Wirklich erlernbar sind beispielsweise die sehr guten Englischkenntnisse, die gefordert werden. So ist es kein Wunder, dass nur etwa jeder Zehnte den fünftägigen Einstellungstest besteht.

 

Doch wer denkt, dass ein fertig ausgebildeter Towerlotse die Qual der Wahl bei den Arbeitsplätzen in der Towerkanzel hat, der irrt! Für jeden einzelnen Arbeitsplatz muss eine Lizenz erworben werden. Nur weil die Ausbildung beendet ist, heißt es nicht, dass man auch alleine arbeiten darf. Es erfordert weitere 80-150 Ausbildungsstunden, die man mit einem erfahrenen Arbeitskollegen gemeinsam verbringt. Dieser kontrolliert und überwacht die Tätigkeiten des neuen Kollegen und es endet immer mit einer Prüfung, die als Zulassung für den jeweiligen Arbeitsplatz gilt. Erst, wenn man für alle Arbeitsplätze, die es im Tower gibt, eine Arbeitsberechtigung erworben hat, ist die Ausbildung abgeschlossen. Das gilt auch für all diejenigen Lotsen, die während ihrer Berufslaufbahn die Tower wechseln sollten. Das Basiswissen ist zwar da, aber die Arbeit in und die Rahmenbedingungen um jeden Tower unterscheiden sich, so dass man stets an jedem neuen Arbeitsplatz die entsprechend gültigen Lizenzen erwerben muss, um dort arbeiten zu dürfen.

 

Die Arbeit als Fluglotse erfordert zu jeder Zeit ein Höchstmaß an Konzentration. Kein Wunder, dass die Towerlotsen einen streng geregelten Schichtdienst haben! Dafür wird in einem Arbeitsplatzplan nicht nur festgelegt, wer zu welcher Zeit an welchem Platz sitzt, sondern auch die genauen Arbeits- und Pausenzeiten fest geregelt. Es gibt nur einen befristeten Zeitraum, in dem ein Air Controller an seinem Arbeitsplatz in der Towerkanzel vor den Monitoren sitzen darf. Das wird als On-Bord-Zeit bezeichnet.

 

Eine Gemeinsamkeit haben aber alle Tower in Deutschland: Zwei Hauptarbeitsplätze. Auf dem einen kümmert sich ein Lotse um den Luftraum. Das ist der sogenannte Platzlotse, der sich auf der Frequenz als „Tower“ meldet. Und dann gibt es den Groundlotsen. Dieser beschäftigt sich mit allen Aktivitäten am Boden. Nach der Landung übergibt der Platzlotse das Flugzeug also an den Groundlotsen und dieser begleitet es bis zur Parkposition. Da meistens mehrere Flugzeuge im Minutentakt landen und starten, ist diese Aufgabe oft gar nicht so leicht.

 

Die Kontrollzone am Flughafen Schönefeld bietet jedoch eine Besonderheit. Ralf Gaida zeigt mir am Monitor, wie sich die Zone genau definiert: „Alles, was unter 2500 Fuß liegt, fällt unter die Kontrolle des Towers. Vier Meilen von der Anflugebene gerundet jeweils nach oben und unten.“ Noch mit Tempelhof als Bestandsflughafen war Berlin in drei Kontrollzonen eingeteilt. Seit der Schließung des Flughafens Tempelhof im Jahr 2008 vergrößerte sich die Schönefelder Kontrollzone enorm. Aus diesem Grund wurde der Arbeitsplatz, an dem ich Ralf Gaida am Tag meines Besuchs traf, eingerichtet. Dieser Arbeitsplatz kümmert sich um die Privatfliegerei in der Kontrollzone. Und man kann davon ausgehen: In der Hauptstadt gibt es so einige Privatflieger.

 

Für alle, die sich für den Beruf des Air Controllers interessieren, hat Ralf Gaida einen Tipp: „Probiert es einfach aus, aber zweifelt nicht an euch, wenn ihr den Einstellungstest nicht schafft.“

 

Ich bedanke mich bei Herrn Gaida und Herrn Jaekel, Pressesprecher DFS, die mir einen Einblick in den Beruf des Fluglotsen gewährt haben!

Veröffentlicht am: 30.04.2014
von in Gesichter am Flughafen
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Aleksandra Rudnik

Aleksandra Rudnik

Aleksandra Rudnik konnte bereits 2013 als Volontärin in der Pressestelle Flughafenluft schnuppern und unterlag sofort der Faszination Luftfahrt. Jetzt ist Aleksandra Referentin für Pressearbeit und kümmert sich um spannende Themen rund um die Airlines sowie die Flughäfen Schönefeld und Tegel. Sie schreibt Texte, ist zuständig für die eine oder andere Publikation und beteiligt sich gern an der Organisation von Presseevents. Ob Erstflug oder Passagierrekord, sie wird darüber bloggen.
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