von Ismeta Mustafić-Hasifić

“Ladies and gentlemen, boys and girls, in a few seconds, we will be landing in the most peaceful country you have ever seen. In preparation for this experience we ask you to fasten your seat belts and try to relax. Please note that entry to this country is at your own risk.”

 

Mit diesen zwei Sätzen wird ein Lied des wahrscheinlich bekanntesten Pop-Sängers aus Bosnien und Herzegowina eingeleitet. Und diese zwei Sätze, so harmlos sie auch klingen, sprechen Bände für Bosnien-Herzegowina, das kleine herzförmige Land auf dem Balkan, das im Song beschrieben wird. Und mit „risk“ ist in diesem Fall lediglich die Gefahr gemeint, sich in Land und Leute zu verlieben.

 

Als Schnittpunkt zwischen unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Menschen ist Bosnien ein Land, in dem sich Geschichte anfassen lässt. Man erlebt Zeugnisse der verschiedenen historischen Epochen des Landes: von den Römern über das bosnische Königreich, die osmanische bis hin zur Österreich-Ungarn-Periode – die Spuren der Zeit sind überall sichtbar. Am meisten jedoch spürt man diese Geschichte in der Hauptstadt: Sarajewo.

 

Berlin-Sarajewo ab heute

2013 lebten in Berlin 10.619 bosnische Staatsbürger. Diese werden sich nun ganz besonders freuen, denn seit heute fliegt Germanwings die bosnische Hauptstadt (SJJ) zweimal wöchentlich, dienstags und donnerstags, an. Pünktlich zur Urlaubssaison und im Jahr zahlreicher Jubiläen in Sarajewo, öffnet sich die Hauptstadt zunehmend auch für Touristen aus Berlin. Für kleines Budget lässt sich die bosnische Hauptstadt auch als Kurzreise ideal erkunden.

 

Beim Spaziergang durch die Baščarsija, das osmanische Handelszentrum und Altstadt Sarajevos, vorbei am „Sebilj“, dem Brunnen im Herzen der Baščarsija, der „Begova-Moschee“ bis hin zum „Bezistan“, einem überdachten Basar – erkennt man auf den ersten Blick, warum Sarajewo das „europäische Jerusalem“ genannt wird. Religiösen Stätten aller großen Weltreligionen wird man auf der Reise begegnen. Verpflegungsmöglichkeiten gibt es auf dem Weg wörtlich an jeder Ecke. Ein Sarajewo-Besuch sollte aber nicht ohne den Genuss von traditionellen bosnischen Gerichten in der „Inat-kuća“ gegenüber der Nationalbibliothek oder Ćevapčići aus einer der vielen „Ćevapdžnica“- Restaurants in der Altstadt erfolgen. Auch ein Abstecher in eine der zahlreichen „buregdžinica“, dem Fast-Food-Restaurant für das bosnische Gericht überhaupt: „pita“ (eine Art Blätterteigtasche gefüllt mit Frischkäse, Hackfleisch, Spinat oder Zucchini).

  • Bijela Tabija: Blick über Sarajewo

  • Traditionelles Handwerk in der Altstadt

  • Zu jeder Tageszeit: Bosnischer Mokka-Kaffee

  • Die „Alte Brücke“ (Stari most) in Mostar

  • Die Nationalbibliothek wurde restauriert und dieses Jahr wieder eröffnet.

  • Das Nationaltheater erstrahlt während des Sarajewo-Film-Festivals

  • Ein beliebtes Ausflugsziel: Die Quelle des Flusses Bosna

  • Traditionelles bosnisches Essen in „Inat kuća“

  • Im Herzen der Baščarsija: Der türkische Brunnen Sebilj.

Vielfältigkeit in Natur und Erlebnis

Weiter in Richtung Zentrum lassen Einschusslöcher an den Fassaden vieler Häuser den Krieg und die Besatzung der Stadt nicht vergessen. Doch auch immer mehr Moderne kommt nach Sarajewo: Einkaufscenter und neue Gebäude, die Hotels und Büros beherbergen, ragen in den Himmel. Vom Avaz Twist Tower (Hauptsitz für den Zeitungsverlag „Avaz“) hat man einen fantastischen Ausblick über die Stadt. Dann, vor den Toren der Stadt entfaltet sich die Vielfalt der Natur. Beliebte Ausflugsziele sind die Olympia-Gebirge, Wasserfälle und Flussquellen in der Nähe Sarajewos. Hier kann man sich entspannt mit der Kutsche vom Stadtteil Ilidža bis zur Quelle des Flusses Bosna fahren lassen und dort noch unberührte Landschaften erkunden. Im Winter bieten die Olympischen Hochgebirge fabelhafte Voraussetzungen für Wintersport jeglicher Art. Auch zu empfehlen ist ein Besuch in einem der immer bekannter werdenden Ethno-Dörfer, wie dem „Etno-Begovo-Selo“ in Ivančići, rund 30 Fahrtminuten von Sarajevo entfernt. Dort wurden alte Holzhütten im traditionellen bosnischen Stil nachgebaut und bieten mit altertümlichen Gebrauchsgegenständen und Werkzeugen einen Einblick in vergangene Zeiten. In einige der Häuschen kann man sich einmieten und einige Tage fernab des Stadtlebens verbringen.

 

Okay, ich bin etwas voreingenommen, es handelt sich schließlich um mein eigenes Heimatland, aber es muss einen Grund haben, warum dieser Stadt schon so viele Liebes- und Lobeslieder gewidmet wurden. In einer alten, weit verbreiteten Volkssaga heißt es, wer einmal Wasser vom Brunnen in der „Baščarsija“ trinkt, wird immer wieder hierhin zurückkehren. Sarajewo ist so orientalisch wie keine andere europäische Stadt und so europäisch wie keine andere Stadt des Orients. Und das macht Sarajewo besonders. Das ist es, was die bosnische Hauptstadt zur europäischen Brücke der Kulturen macht – um es treffend zu beschreiben, wage ich zu sagen, Sarajevo ist eine Mischung aus Istanbul und Wien, nur kleiner.

 

Kultur kommt in Sarajewo auch nicht zu kurz: in den verschiedenen Museen wie dem Nationalmuseum, dem jüdischen Museum oder dem olympischen Museum sind nur einige historische Aspekte verarbeitet. Wem das noch nicht genug ist, dem bietet Sarajevo das ganze Jahr über eine Vielzahl an kulturellen Veranstaltungen: Vom Sarajevo Film Festival über die „Baščarsija Nächte“ (Sommer-Open-Air-Konzerte über einen Monat lang) bis hin zum Sarajevo Holiday Market in den Wintermonaten kommt Musik und Kultur in der bosnischen Hauptstadt auch nicht zu kurz.

 

Ein Tipp: Kaffee trinken ist in Sarajewo, so wie in ganz Bosnien auch, Volkssport Nr. 1. Darum wundern Sie sich nicht, wenn Sie jemand, womöglich mehrmals am Tag, fragt, ob Sie sich denn nicht „auf einen Kaffee“ zusammensetzen wollen. Die Tatsache, dass die Bosnier für jeden Kaffee, je nach Anlass, einen eigenen Namen haben, verdeutlicht die Bedeutung des Kaffee-Trinkens in der bosnischen Kultur. So ist beispielsweise „Razgovoruša“ der gemeinsam mit Freunden, Familie oder Kollegen getrunkene Kaffe zum „Plaudern“ oder der „Sikteruša“-Kaffee, um nach einem Empfang höflich zu sagen, dass es Zeit wäre, nach Hause zu gehen. Und noch ein Tipp: Sie werden von der Gastfreundlichkeit der Menschen in Bosnien und Herzegowina begeistert sein!

 

Außerhalb der Hauptstadt

Wenn Sie schon einmal in Bosnien sind, lohnt es sich, das ganze „herzförmige Land“ mit rund 3,8 Millionen Einwohnern zu erkunden. Dafür mieten Sie sich am besten ein Auto oder benutzen einfach die Städteverbindungen mit Bussen. Mostar mit der berühmten osmanischen Brücke und der türkischen Altstadt erreicht man von Sarajevo aus am bequemsten mit dem Zug. Die Schönheiten der Herzegowina hören dann in Mostar nicht auf – weiter Richtung Adria erstrecken sich riesige Lavendel- und Weinfelder und die Schönheiten des türkisfarbenen Neretva-Flusses.

 

Ein Besuch in der in Zentralbosnien gelegenen Stadt und dem ehemaligen Hauptsitz der bosnischen Könige, Jajce, mit ihrem berühmten Pliva-Wasserfall lohnt sich genauso wie ein Spaziergang durch die Altstadt und die Brücke über die Drina in Višegrad. Wenn Sie noch ein i-Tüpfelchen drauf setzen wollen, dann statten Sie Bihać im äußersten Westen einen Besuch ab und machen eine Rafting-Tour auf dem Fluss Una. Aber: „Please note that entry to this country is at your own risk.”

 

*Den Sarajevo-Navigator, eine Art Reise- und Eventführer kann man sich hier downloaden.

*Tickets aber Berlin-Tegel gibt es über germanwings bereits ab circa 80 Euro.
*Außerdem fliegt germanwings seit heute dreimal wöchentlich Verona in Italien an. Bereits seit dem 12. April wird Ancona an der italienischen Adriaküste angeflogen.

Veröffentlicht am: 15.04.2014
von in Ganz nah, ganz fern
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gastautor

gastautor

Egal, ob freie oder ehemalige Mitarbeiter, Kollegen aus anderen Abteilungen, Freunde des Flughafens oder ‚Flinke Federn‘ im Allgemeinen – unter der Kennung "Gastautor" schreiben alle, die nur sporadisch über den BER bloggen. Neue Perspektiven und ungewöhnliche Geschichten liefern Abwechslung für den Blog.
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Kommentare (1)

  1. Samir schrieb am 17. April 2014:

    Echt super geschrieben und auf den Punkt (in dem Fall Punkte – die braucht man nämlich, um Bosnien zu beschreiben) gebracht!! 😀

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