von Sebastian Worsch

Morgen jährt sich der Tag der Deutschen Einheit bereits zum 22. Mal. Die Bilder von den Flüchtlingen in Ungarn und Prag, den Demonstrationen in der DDR, dem Fall der Mauer und den Feiern in der Nacht des 3. Oktober 1990 sind vielen noch in Erinnerung. Dieser einmalige politische Umbruch hatte auch große Auswirkungen auf den Luftverkehr der neu entstandenen Hauptstadtregion. Ein guter Anlass also, um einen Blick auf diese spannende Zeit zu werfen.

 

PanAm in Tegel

Der Luftverkehr von und nach Berlin war bis zum 2. Oktober 1990 ein Sonderfall: In Tegel und Tempelhof bestimmten alliierte Fluggesellschaften wie PanAm, TWA, British Airways und Air France das Bild. Deutsche Fluggesellschaften durften aufgrund des Sonderstatus‘ Westberlins keinen der dortigen Flughäfen anfliegen. In der DDR unterhielt die staatliche Fluggesellschaft Interflug von Schönefeld aus ein globales Streckennetz. Für den Großteil der Bürger der DDR blieben aber Reisen nach Westeuropa und Asien sowie Amerika nur ein Traum; sie durften lediglich ins sogenannte „sozialistische Ausland“ fliegen.

 

Interflug in SchönefeldUnmittelbar nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 forderten deutsche Airlines, allen voran die Lufthansa, Tegel und Schönefeld anfliegen zu dürfen. Zeitgleich begannen auch Gespräche zwischen Lufthansa und Interflug über eine Zusammenarbeit beider Airlines; einige Strecken  wurden später im Codeshare bedient. Obwohl der damalige Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Heinz Ruhnau, immer wieder erklärte, Interflug übernehmen zu wollen, scheiterte dies letztendlich, vor allem am Widerstand des Bundeskartellamtes. Andere Käufer fanden sich nicht für die stark verschuldete Airline. Die wirtschaftliche Situation der Interflug verschlechterte sich Mitte 1990, als zahlreiche Verbindungen aufgrund der politischen Umwälzungen in Osteuropa eingestellt wurden.

 

Lufthansa in Tegel 1990Nach mehr als 45 Jahren Abstinenz war es am 5. August 1990 soweit: Eine Boeing 747 der Lufthansa landete auf einem Berliner Flughafen. Und zwar in Schönefeld! Die Airline flog Kinder aus der Region Tschernobyl, die ihre Ferien in der DDR verbracht hatten, wieder nach Hause. Bis zur Erstlandung auf einem Flughafen in Westberlin vergingen noch knapp zwei Monate. Genau heute vor 22 Jahren, am 2. Oktober 1990, landete schließlich eine Maschine der Lufthansa auf dem Flughafen Tegel.

 

Am 3. Oktober übergaben die Alliierten der Bundesrepublik die vollständige Lufthoheit. Da Lufthansa unbedingt mit Beginn des Winterflugplans 1990/1991 den Linienbetrieb von und nach Berlin aufnehmen wollte übernahm sie in Tegel sämtliche Streckenrechte und Abfertigungsanlagen von der damals bereits angeschlagenen PanAm. Am 28. Oktober 1990 um 9.04 Uhr setzte der Airbus A310-300 „Donaueschingen“ aus Köln/Bonn kommend auf dem Flughafen Tegel auf. Nach 45 Jahren kam die größte deutsche Airline erstmals wieder im Linienverkehr in die Stadt zurück, in der sie 65 Jahre zuvor gegründet worden war.

 

Anfang Februar 1991 gab die Treuhandgesellschaft die Liquidation der Interflug bekannt. Am 30. April 1991 stellte die Airline schließlich mit einem Linienflug nach Wien ihren Betrieb ein. Für die verbliebenen 2.600 Mitarbeiter wurde ein Sozialplan erarbeitet.

 

In der nächsten Folge lesen Sie, wie es in den 1990er-Jahren mit der Entwicklung des Luftverkehrs in der Hauptstadtregion weiterging. Wir freuen uns auch über Ihre Erinnerungen und Erlebnisse!

Veröffentlicht am: 02.10.2012
von in Flughäfen Schönefeld und Tegel
Schlagwörter: , , , | Kommentar hinzufügen
gastautor

gastautor

Egal, ob freie oder ehemalige Mitarbeiter, Kollegen aus anderen Abteilungen, Freunde des Flughafens oder ‚Flinke Federn‘ im Allgemeinen – unter der Kennung "Gastautor" schreiben alle, die nur sporadisch über den BER bloggen. Neue Perspektiven und ungewöhnliche Geschichten liefern Abwechslung für den Blog.
This entry was posted in Flughäfen Schönefeld und Tegel and tagged , , , . Bookmark the permalink.

Kommentar hinzufügen

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.

*

Ähnliche Artikel