Wenn ich mich ins Auto setze und losfahre, weiß ich ziemlich genau, wie viel Sprit ich für eine Strecke verbrauche. Und dass ich bei gleichmäßiger, vorrausschauender Fahrt und frühem Hochschalten weniger verbrauche als beim sportlichen Fahren im maximal dritten Gang, ist mir auch klar. Aber wie viel Treibstoff hat eigentlich der Flieger bei meinem Flug nach Barcelona verbraucht? Keine Ahnung! Und hat der Pilot durch sparsames, vorausschauendes Fliegen sogar Kerosin eingespart? Ich weiß es nicht!

 

Oder besser gesagt: Ich wusste es nicht. Seit diesem Montag bin ich schlauer, denn die airberlin hat bei der Präsentation ihres Nachhaltigkeitsberichts die Einsparpotentiale der Luftfahrt präsentiert. Und worauf es dabei ankommt, das lässt sich recht einfach zusammenfassen: weniger Gewicht und bessere Routen gleich weniger Verbrauch.

 

Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es allerhand Möglichkeiten. So werden spezielle Leichtgewichts-Container genutzt, die eine Einsparung von jeweils 20 Kilogramm einbringen. Klingt überschaubar, macht im Jahr aber 30.000 Liter weniger Kerosin pro Flugzeug. Damit fliegt ein vollbesetzter A330-300 von Berlin bis zu den Kanaren. Ähnlich sieht’s im Cockpit aus. Dort kann komplett auf Dokumente in Papierform verzichtet werden, stattdessen finden sich alle wichtigen Infos in einem überdimensionalen Tablet (siehe Foto). Einsparung pro Flug: über 50 Kilogramm.

 

Aber nicht nur das Fluggewicht ist entscheidend, sondern auch die Flugrouten. Deswegen werden vor jedem Flug die effizientesten Routen berechnet. So kann es sein, dass ein Flugzeug auf dem Weg von Berlin nach Teneriffa nicht den kürzesten Weg fliegt, sondern den starken Rückenwind über dem Ärmelkanal und der Biskaya nutzt. Macht zwar deutlich mehr Strecke, aber auch weniger Verbrauch. Wenn das Flugzeug dann noch über sogenannte Winglets verfügt, welche den Randwirbel an den Tragflächen reduzieren und den Auftrieb verstärken, sinkt der Treibstoffverbrauch um weitere 3 Prozent.

 

Und was kann der Pilot ausrichten? Eine ganze Menge! Am Boden kann er das Flugzeug mit nur einem Triebwerk bewegen und das Bodenstromaggregat anstelle des Hilfstriebwerks nutzen. Beides zusammen bringt bis zu 100 Liter Kerosin weniger pro Flug. In der Luft kann der Pilot über ein gekrümmtes Anflugverfahren den Luftraum effizienter nutzen. Diese Technik ist zwar noch in der Entwicklung, kann jedoch eine Menge Treibstoff sparen.

 

Schon diese kleinen Beispiele zeigen wie groß das Einsparpotential in der Luftfahrt tatsächlich ist. Man kann also davon ausgehen, dass das Fliegen mittelfristig noch viel effizienter wird.

 

Übrigens: Momentan fliegt die Flotte der airberlin mit einem Kerosinverbrauch von 3,5 Liter pro Passagier auf 100 Kilometer. So effizient bin ich mit meinem Auto nur dann, wenn ich mindestens zwei Leute mitnehme.

Veröffentlicht am: 19.09.2012
von in Luftverkehr, Umwelt und Umland
Schlagwörter: , , , | 5 Kommentare zu airberlin präsentiert ersten Nachhaltigkeitsbericht
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Egal, ob freie oder ehemalige Mitarbeiter, Kollegen aus anderen Abteilungen, Freunde des Flughafens oder ‚Flinke Federn‘ im Allgemeinen – unter der Kennung "Gastautor" schreiben alle, die nur sporadisch über den BER bloggen. Neue Perspektiven und ungewöhnliche Geschichten liefern Abwechslung für den Blog.
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Kommentare (5)

  1. Frank Deichmann schrieb am 19. September 2012:

    Das Flugzeug steht als umweltschädlichstes Verkehrsmittel im Fokus!
    Bei der gleichen erzeugten Klimawirkung – in diesem Beispiel eine Tonne CO2 – kann man mit dem
    Flugzeug etwa 3000 Kilometer zurücklegen, während es mit dem Pkw zirka 7000 Kilometer und mit der Bahn zirka 17 000 Kilometer sind. Das heißt, dass das Flugzeug etwa fünfmal klimaschädlicher ist als Reisen mit der Bahn. Wo es Alternativen gibt wie zum Beispiel auf kurzen Strecken wie zwischen Berlin und Köln, sollte auf jeden Fall die Alternative Bahn genutzt werden….[Quelle: FOCUS Online]

    Der gesamte Beitrag zum Thema ausführlich (6 Seiten) hier:
    http://www.focus.de/reisen/fliegen/klimawandel/klimawandel_aid_28816.html

  2. Obe Lix schrieb am 20. September 2012:

    Nun endlich kommt airberlin mit Einsparpotenzialen um die Ecke! Herr Mehdorn hat vorher die Berliner S-Bahn kaputt gespart, jetzt macht er es mit einer Fluglinie! Er fängt mit dem Treibstoff an, danach sind es die Räder…… Es wird nicht mehr lange dauern, dann fallen seine Flugzeuge vom Himmel, dennl mit weniger Wartung kann man noch mehr Geld sparen! Viel Spaß dann beim Fliegen mit airberlin!

  3. Frank Deichmann schrieb am 5. Oktober 2012:

    Hallo Oliver Kossler, bei aller „Nachhaltigkeits“ – Positionierung bitte auch alle Einflüsse des Luftverkehrs auf den Klimawandel betrachten! (recht anschaulich schematische Darstellung der Gesamtwirkungsprozesse auf Seite 3)

    Quelle: [Impact of Non-CO2 Combustion Effects from Aviation on the Environmental Feasibility of Alternative Jet Fuels Russell Stratton, January 31st, 2011, Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, Massachusetts, USA]

    http://www.web.mit.edu/aeroastro/partner/reports/hartman/stratton11.pdf

  4. Ralf Seiler schrieb am 31. Januar 2013:

    Die Bahn ist billiger und ökologischer als Flugreisen innerhalb Deutschlands! Laut einer Studie, die der VCD in Auftrag gegeben hat, sind Bahnreisen innerhalb Deutschlands gegenüber Flügen überraschend preiswert. In 91,5 Prozent der untersuchten Fälle ist die Reise mit der Bahn günstiger.

    Der Energieverbrauch eines Fliegers auf Kurz- und Mittelstrecken – und damit der Schadstoffausstoß – ist 4,4 Mal größer ist, als bei einem Zug,

    Hier nachzulesen:
    http://www.welt.de/wirtschaft/article111590956/Flieger-versus-Bahn-Was-wirklich-guenstiger-ist.html

  5. Ralf Seiler schrieb am 2. Februar 2013:

    Luftverkehr ist wegen der besonders hohen Klimawirkung der Flüge, in den höheren Luftschichten, seit einigen Jahren in der Kritik. Schon die Enquete-Kommission „Schutz der Erdatmosphäre“, des deutschen Bundestages, kam 1995 zu dem Ergebnis, dass er einen überproportionalen Beitrag zum menschengemachten Treibhauseffekt, im Verhältnis zu seiner Beförderungsleistung, verursacht.

    2005 konnten Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) nachweisen, dass Kondensstreifen weniger, wie ursprünglich angenommen, daraus entstandene Zirruswolken dagegen wahrscheinlich stärker zum luftverkehrsbedingten Treibhauseffekt beitragen. 2011 wurde der zusätzliche Treibhauseffekt dieser Zirruswolken erstmals präziser bestimmt. Das Institut für Physik der Atmosphäre des DLR kam zu dem Ergebnis, dass der Gesamteffekt etwa 2,1-mal so groß ist, wie die Wirkung des CO2 alleine.

    Weiter lesen hier:
    http://klimaschutz-netz.de/index.php/erde-und-mensch/466-luftverkehr-und-klima

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