Eine gute Nachricht? Vom Flughafen? Doch, die gibt es, selbst in diesen Zeiten. Natürlich liegt unser Hauptaugenmerk derzeit auf Problemthemen:

 

1. den Terminplan bis zur Eröffnung zu validieren. Das ist die Aufgabe von Horst Amann, dem neuen Technischen Geschäftsführer. Er wird sich bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im August ein Bild von der Flughafenbaustelle machen und seine Einschätzung abgeben, ob es beim 17. März 2013 als Eröffnungstermin bleiben kann.

 

2. ein Finanzierungskonzept für die Mehrkosten zu erarbeiten. Das geschieht ebenfalls bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung. Auf der Pressekonferenz nach der letzten Aufsichtsratssitzung hatten wir die Mehrkosten durch die Verschiebung und das Schallschutzurteil des Oberverwaltungsgerichtes auf zusammen rund 1,177 Mrd. Euro beziffert.

 

3. die Probleme beim Schallschutz in den Griff zu bekommen. Wir haben im Nachgang zum OVG-Urteil den Bescheid der Behörde erhalten, nach der wir eine so strenge Auslegung des Planfeststellungsbeschlusses zu befolgen haben, dass ein Großteil der Häuser gar nicht schallgeschützt werden könnte. Stattdessen müssten Entschädigungen gezahlt werden. Der eigentliche Sinn des Planfeststellungsbeschlusses, nämlich einen vernünftigen Schallschutz der Anwohner zu gewährleisten, wäre damit für einen Großteil der Nachbarschaft ad absurdum geführt. Klar ist: Wir werden gegen den Bescheid juristisch vorgehen. Dazu hat uns der Aufsichtsrat in seiner letzten Sitzung im Juni auch aufgefordert.

 

4. einen akzeptablen Flugbetrieb in Tegel aufrecht zu erhalten. Bislang können wir für unseren überlasteten Airport eine positive Zwischenbilanz ziehen. Größere Schwierigkeiten hatten wir noch nicht. Aber noch liegt der Winter, liegen Schnee und Eis vor uns.

 

 Trotzdem fernab dieser Probleme die gute Nachricht: Gestern meldete die Messe Berlin, dass das ExpoCenter Airport fertig gestellt ist. Die ersten Aufbauten für die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA – sie findet vom 11. bis 16. September dieses Jahres statt – haben bereits begonnen.

 

Wir erinnern uns: Der Veranstalter der ILA, der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie BDLI, hatte einen regelrechten Schönheitswettbewerb zwischen Berlin-Brandenburg und Leipzig veranstaltet. Und die Entscheidung war knapp. Nur mit einem schlüssigen Gesamtkonzept samt neuem Messegelände am Airport konnte die ILA in der Region gehalten werden. Damit bleibt die ILA das, wozu sie sich in den letzten Jahren in Schönefeld entwickelt hat: das wichtigste Schaufenster der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie.

 

Das Messegelände ist aber nicht nur für die ILA wichtig. Es bietet für den Messe- und Kongressstandort Berlin-Brandenburg neue Perspektiven. In der internationalen Vermarktung wird die Messe Berlin jetzt mit den Standorten ExpoCenter City (am Funkturm) und ExpoCenter Airport (am BER) ins Rennen gehen können. Ein guter Standortvorteil im internationalen Wettbewerb um Messen und Kongresse, da flughafennahe Messestandorte immer gefragter sind. Für Januar 2013 ist im Rahmen der Berlin Fashion Week die Premiere der neuen Modemesse PANORAMA geplant.

 

Natürlich – wir kennen Berlin und Brandenburg – gibt es auch beim neuen Messegelände am Airport Bedenken. In einer Tageszeitung habe ich heute unter der Überschrift “Riskanter Schnellschuss” folgenden schönen Satz gelesen: “Ob, wie von der Messegesellschaft erhofft, auch andere größere Veranstaltungen in Selchow stattfinden, wo außer dem Flughafen nichts ist, darf bezweifelt werden.” Außer dem Flughafen? Der Flughafen wird nach seiner Eröffnung mit rund 20.000 Beschäftigten immerhin die größte Arbeitsstätte ganz Ostdeutschlands werden. Und internationale Messeteilnehmer reisen für gewöhnlich mit dem Flugzeug an. Auch wenn das Zukunftsbild angesichts der gegenwärtigen Probleme weit weg erscheint: Ich bin davon überzeugt, dass der Flughafen ein großer Erfolg wird. Natürlich gibt es neue Arbeitsplätze und neue Firmenansiedlungen. Wir erleben schon heute einen deutlichen Zuzug in die Flughafenregion. Die Arbeitslosenzahlen sind niedrig. In Schönefeld entsteht das wirtschaftliche Schwergewicht der deutschen Hauptstadtregion.

 

Noch eine gute Nachricht: Das Bundesverwaltungsgericht hat sich gestern und heute erneut mit Klagen von Anwohnern gegen den Flughafen auseinandergesetzt. Sie hatten geklagt, weil sie sich bei Flughafen- und Flugroutenplanung betrogen fühlten. Das Bundesverwaltungsgericht wird dazu zwar erst Ende Juli entscheiden, ließ aber durchblicken, dass es der Argumentation der Kläger wohl nicht folgen wird. Ich halte den Vorwurf einer Täuschung oder Verschwörung auch ehrlich gesagt für absurd. Außerdem hatte das Bundesverwaltungsgericht das Thema im Oktober 2011 schon einmal auf dem Tisch. Seitdem gibt es keine neuen Erkenntnisse, auch nicht durch die Akteneinsicht der Bürgerinitiativen. Dass die Trennung von sehr früher Flughafenplanung einerseits und sehr später Flugroutenplanung andererseits alles andere als glücklich für alle Beteiligten ist, steht auf einem anderen Blatt Papier. Vermutlich wird das Bundesverwaltungsgericht dazu einige kritische Worte finden. Und das mit Recht.

Veröffentlicht am: 04.07.2012
von Ralf Kunkel in Berlin, Brandenburg, Flughafen BER, Luftverkehr 3 Kommentare
Ralf Kunkel

Ralf Kunkel

Ralf Kunkel leitet die Pressestelle des Flughafens Berlin Brandenburg. Er kümmert sich um die strategischen und politischen Kommunikationsthemen, vertritt das Unternehmen nach außen und hat dabei alle Hände voll zu tun. Schon seit Jahren sein wichtigstes Thema: Das Zukunftsprojekt BER trotz aller Schwierigkeiten und Probleme begreifbar und erlebbar zu machen – in der Region, Deutschland und international. Wenn doch mal ein freier Augenblick bleibt, schreibt er für unseren Blog über seine Arbeit als Pressesprecher
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Kommentare (3)

  1. Andre schrieb am 5. Juli 2012:

    Gute Nachrichten sind in letzter Zeit verdammt wichtig. Es gibt leider nur negative Schlagzeilen zum BER in ALLEN Medien. Sicherlich gibt es auch Grund für Kritik, aber kollektives Draufhauen auf eines der wichtigsten Projekte unserer Stadt ist nicht gut für das Image vom Projekt und von der Stadt. Es entsteht der Eindruck, als ob niemand diesen Flughafen will. Das ist aber definitiv nicht so!
    Leider finden immer nur die Menschen Gehör, die besonders lautstark Ihren eigenen Misthaufen verteidigen müssen. An das Wohl der Allgemeinheit (also von Berlin und Brandenburg) wird dabei nicht gedacht. Dabei ist das besonders wichtig, schließlich gehört ein leistungsfähiger und repräsentativer Flughafen zur deutschen Hauptstadt.

  2. Warbird schrieb am 5. Juli 2012:

    Also ,diese ” Gute Nachricht” halte ich für übertrieben. Denn ,im Moment ist am BER nichts klar. Ob der Termin steht ,wie es weitergeht usw. Im Moment reden sich mehere Leute Alles schön. Damit der Schein gewahrt wird. Sebst in der “Guten Nachricht ” wird erst der August ,als Termin genannt . Wann ……………….. Für jemanden von auswärts,ist daß mit Berlin & BER eine Sehr Traurige Geschichte..
    Es sind noch jede Menge Fragen offen, daher ranklotzen und wenn der BER steht und läuft.
    DAS IST EINE GUTE NACHRICHT

  3. Fam. Wegner Mahlow schrieb am 6. Juli 2012:

    Das stand doch im flughafeneigenen Planfeststellungsbeschluß ganz klar das 55db nicht überschritten werden dürfen und jetzt tut der Flughafen überrascht. Wenn wußte, daß man die Häuser nicht schützen kann, hätte man ihn nicht bauen dürfen, jedenfalls nicht so nahe an den Städten.

    So miserabel der Flughafen mit den Anwohner-Nachbarn umgeht, so miserabel ist auch der Ton von ihm. Diese Nachbarschaft ist sehr, sehr schlecht aufgebaut und steht wahrlich unter keinem guten Stern.

    Sind ihnen diese Zeilen zu kritisch für eine Veröffentlichung? Das können wir uns gut vorstellen.

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