Stell Dir vor, Du sitzt an Deinem Schreibtisch im Verwaltungsgebäude des Flughafens Schönefeld und nicht einmal 500 Meter weiter wuseln Massen von Passagieren auf dem Flughafen umher, auf dem Weg in den Urlaub oder gerade angekommen aus fernen Destinationen, fremden Kulturen und nun auf dem Weg ins traute Heim oder zu geschäftlichen Terminen. Wenn Du aus dem Fenster guckst, erkennst Du auf den Rollwegen die vielen Flugzeuge, die startklar auf ihr Kommando zum Abheben warten. 

 

Du fragst Dich, was geht den Fluggästen durch den Kopf, wenn sie über den Flughafen schlendern oder auch gehetzt zu ihren Schaltern rennen, was denken sie über uns und den Flughafen, wenn sie endlich im Flugzeug sitzen und sich auf ihren Urlaub freuen? Gefällt es ihnen an den Flughäfen Schönefeld und Tegel, genießen sie die schöne, aber etwas hektische Atmosphäre oder sind sie genervt oder gar empört? Wie ist die aktuelle Situation und Stimmung an den Flughäfen zu beschreiben und wie ändert sich das Geschehen nach der Verschiebung des Eröffnungstermins des neuen Flughafens Berlin Brandenburg?

 

All diese Fragen habe ich mir gestellt und habe mich sofort am nächsten Tag neugierig auf den Weg zu den beiden Flughäfen gemacht. Dort angekommen habe ich mich ein wenig umgeschaut und angefangen, ganz nach Zufallsprinzip Passagiere zu befragen, die mir über den Weg gelaufen sind.

 

Ich bin mit meinem zurechtgelegten Sprüchlein „Guten Tag, sprechen Sie Deutsch? Hätten Sie einen kleinen Moment Zeit für mich? Ich bin Naemi Mergler und mache ein Praktikum in der Pressestelle am Flughafen und schreibe zurzeit einen Artikel über die allgemeine Lage und die Passagiere an den Flughäfen“  auf die Menschen zugegangen. Ganz glücklich durfte ich feststellen, dass die Fluggäste so freundlich waren und mir mit Vergnügen von ihren Reiseerfahrungen und ihrer Meinung zum neuen, noch nicht eröffneten Flughafen BER erzählen wollten. Nach einiger Zeit fiel mir auf, dass ich in Tegel deutlich mehr anderssprachige Passagiere antreffe und dass sich auch ältere Menschen noch fürs Verreisen begeistern.

 

 

Meine Befragung bezog sich weitestgehend auf den Umzug zum BER und zur Verschiebung des Eröffnungstermins. Ich durfte erfahren, dass die Mehrheit der Tegeler Stammkunden die Verschiebung begrüßt, da sie ihre Anfahrtswege neu überdenken müssten, wenn sie vom BER abfliegen würden und nicht wie gewohnt von Tegel. Ich habe größtenteils Passagiere befragt, die häufig und immer von ihrem Lieblingsflughafen fliegen. Ich habe einen Tegel-Passagier interviewt, dem es offensichtlich gar nicht passt, dass es nun bald nur noch den BER geben wird. Er meinte, der BER sei ihm sch***egal; er sei ein Tegel-Flieger. Mir wurde außerdem erklärt, dass man mit der Eröffnung eines nagelneuen Flughafens ein großes Risiko eingeht, da man dort noch keinerlei Erfahrungen gesammelt hat. Aber praktisch ist doch allemal, dass der BER Fernflüge anbietet und dass man nicht erst nach Frankfurt fliegen muss, um zum Beispiel nach Nordamerika oder Asien zu gelangen!

 

Neben strikten Tegel- oder Schönefeldanhängern habe ich auch einige getroffen, denen es  ganz egal ist, von wo sie abfliegen. Jedoch sei es peinlich für Berlin und  für die Wirtschaft ein Desaster. Dabei ist mir aufgefallen, dass es den Schönefeld-Fliegern eher egal ist, ob sie vom alten Flughafen abfliegen oder ein paar Kilometer weiter südlich vom neuen BER. Viele andere, die ich befragt habe, sind sehr gespannt und neugierig auf den Flughafen. Aber nicht nur  Tegel- und Schönefeldfans wollten mich von „ihrem“ Flughafen überzeugen. Einige scheinen dem schon geschlossenen Flughafen Tempelhof  regelrecht nachzutrauern. Es sei eine Tradition gewesen, von dort zu fliegen. Es habe alles funktioniert und außerdem ist dieser Flughafen wegen der Rosinenbomber von historischer Bedeutung.    

 

Ich war nicht nur in den Abflughallen unterwegs. Die Busfahrer, die ich befragt habe, schienen mich fast auszulachen, als ich sie gefragt habe, ob sich nach der Verschiebung des Eröffnungstermins irgendetwas verändert habe bezüglich der Busgästeanzahl. Sie meinten, alles sei wie gehabt, teilweise sei es sogar leerer. Sie befürchten aber, dass sich das nach Beginn der großen Schulferien ändern werde.

 

An der Fluggastinformation meinten die freundlichen Kollegen, dass viele die Verschiebung mit Humor nähmen. Ab und zu würden sich die Passagiere wegen unfreundlichem Check-in-Personal und zu wenig Infotafeln beschweren. Außerdem komme es oft vor, dass sich die Fluggäste am falschen Flughafen befinden und dass sie sich über unregelmäßig fahrende Shuttle-Busse zum jeweils anderen Flughafen beschwerten. 

Erschöpft aber zufrieden mit meinen gesammelten Informationen lautet mein Fazit: Insgesamt scheinen die Passagiere zufrieden zu sein und sich an die jetzige Situation gewöhnt zu haben. Hauptsache es läuft und die Passagiere kommen am richtigen Zielort an!

Veröffentlicht am: 20.06.2012
von in Flughäfen Schönefeld und Tegel
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gastautor

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Egal, ob freie oder ehemalige Mitarbeiter, Kollegen aus anderen Abteilungen, Freunde des Flughafens oder ‚Flinke Federn‘ im Allgemeinen – unter der Kennung "Gastautor" schreiben alle, die nur sporadisch über den BER bloggen. Neue Perspektiven und ungewöhnliche Geschichten liefern Abwechslung für den Blog.
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