„Was für ein Mist“ – das war meine erste Reaktion auf Facebook, nachdem wir Anfang Mai den Eröffnungstermin für den Flughafen verschieben mussten. Zwar hatten wir in den vergangenen Jahren immer wieder Aufs und Abs in der öffentlichen Wahrnehmung des Flughafenprojekts, aber eine solch desaströse Meldung wie am 08. Mai mussten wir noch nie veröffentlichen: Die für den 03. Juni dieses Jahres geplante Flughafeneröffnung ist aufgrund massiver Probleme mit der Brandschutzanlage nicht zu halten.

Die Bekanntgabe der Verschiebung ist mittlerweile einige Wochen her und die damit einhergehenden Probleme liegen mehr oder weniger auf der Hand. Wir müssen
• Tegel weiter betreiben. Das ist per se schon schwer genug, denn Tegel operiert seit Jahr und Tag an der Kapazitätsgrenze. Die ersten Tage haben wir ganz anständig über die Bühne gebracht. 430 Flüge am Sonntag, 550 am Montag und 520 am Dienstag konnten wir gemeinsam mit unseren Partnern mehr oder weniger störungsfrei in die Luft oder auf den Boden bringen. Aber die wahren Herausforderungen warten noch: Der Sommerreiseverkehr wird die erste richtige Nagelprobe. Und der nächste Winter kommt bestimmt (siehe dazu den Beitrag von Leif).
• die BER-Baustelle auf die Spur setzen. Nach der Kündigung des Generalplaners und Bauüberwachers pgbbi ordnen wir das Projekt derzeit neu. Die Mitarbeiter unseres Bereichs Planung und Bau BER werden die Bauüberwachungsleistungen künftig selbst viel stärker wahrnehmen, als sie das in der Vergangenheit getan haben. Wir sprechen mit Ingenieur- und Architekturbüros, die früher als Subunternehmer für die pgbbi tätig waren. Und natürlich sind wir auch mit neuen Unternehmen im Gespräch, um einen unvorbelasteten Blick von außen in das Projekt einzubringen. Nach aktuellem Erkenntnisstand werden die Arbeiten, um die Brandschutzanlage fertigzubauen und einzuregeln, bis Dezember dauern. Im Januar 2013 prüft der TÜV das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten (z. B. Rauchmelder, Sprinkleranlage, Entrauchungsanlage). Dann schließen sich Probebetrieb und Sicherheitsüberprüfung des Flughafens an. Der neue Eröffnungstermin ist der 17. März 2013.
• Kassensturz machen. Natürlich kostet die Verschiebung des Eröffnungstermins für den BER Geld. Wie viel? Das stellen unsere Finanzer gerade zusammen. Die Mehrkosten lassen sich in drei Bereiche gliedern: Was kostet der Weiterbetrieb in Schönefeld und Tegel? Welche Mehrkosten entstehen auf der BER-Baustelle? Welche eventuellen Schadensersatzansprüche gibt es? Bis zur Aufsichtsratssitzung am 22. Juni erarbeiten wir eine Kostenaufstellung. Dann wissen wir mehr.
• Härtefälle für BER-Mieter vermeiden helfen. Derzeit sprechen wir mit den gut 70 Mietern von Ladengeschäften und Restaurants im neuen Flughafen. Unser Ziel ist es, alle Mietverträge aufrecht zu erhalten und durch die verzögerte Eröffnung keinen Mieter zu verlieren. Wir sind stolz darauf, dass wir so viele Unternehmen aus der Region für die Non-Aviation-Flächen im neuen Flughafen gewonnen hatten. Das soll so bleiben, denn sie geben dem Airport sein unverwechselbares Gesicht. In den Monaten bis zur Inbetriebnahme des BER stellt die Flughafengesellschaft sicher, dass Mieterflächen vor Diebstahl und der Verschmutzung durch Baustaub gesichert werden.
Selten habe ich so viele Kolleginnen und Kollegen in unserem Haus so niedergeschlagen gesehen wie in diesen Tagen. Mit Herzblut haben sie zusammen mit Airlines, Bodenverkehrsdiensten und insgesamt 190 beteiligten Behörden, Unternehmen und Institutionen daran gearbeitet, BER zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. Diese Arbeit war sicher nicht vergebens. Doch im Moment gilt erst einmal, dass wir hart daran arbeiten müssen, Vertrauen zurückzugewinnen, das wir durch die geplatzte Eröffnung verspielt haben. Die kommenden Wochen und Monate werden alles andere als einfach. Wir arbeiten beharrlich und Tag für Tag daran, die Folgen der Verschiebung für unsere Passagiere, Kunden und Geschäftspartner so gering wie möglich zu halten.
PS: Wir bloggen nicht allein. Auch die Berliner Morgenpost schreibt über die Flughäfen und die Menschen, die man dort trifft. Schauen Sie einfach rein unter: http://hinundweg.morgenpost.de/











Hallo Herr Kunkel,
ein schöner Beitrag, Öffentlichkeitsarbeit wie sie sein soll. Ich hoffe das auch weiterhin so ehrlich berichtet und jederzeit über die Fortschritte Informiert wird.
Es hat mich geschockt als ich früh morgens gelesen habe, dass der Eröffnungstermin verschoben wird und ich finde es schade, da ich meinen nächsten Flug so gebucht hatte, dass ich vom schönen neuen BER starten hätte können. Schadeschade! Ich verfolge den Bau des BER schon lange und ich weiß dass unter erschwerten Bedingungen gebaut wurde (sehr beschränktes Budget; Vergleich München, fast doppelt so hohes Budget für einen Provinzflughafen). Man konnte es aber auch schon früher absehen, dass der Termin nicht eingehalten werden konnte, das ist ungeschickt gelaufen so kurzfristig die Reißleine zu ziehen. Das ist definitiv ein Mangel am Management. Ich bin aber zuversichtlich dass der BER nächstes Jahr ein voller Erfolg wird und die Hauptstadt würdevoll vertreten wird. Ich freue mich zum ersten Mal vom Megaflughafen Berlin Brandenburg Internation Willy Brandt fliegen zu dürfen.
Aber jetzt heißt es ran an den Speck und so schnell wie Möglich das Image wieder auf zu polieren, Mängel zu beheben und einen einwandfreien Starttermin ohne jahrelange Probleme und Nachbesserungen über die Bühne zu bringen!
Ich drücke euch die Daumen!
Ich schließe mich meinen Vorrednern an. Ein sehr schöner Beitrag und vor allem ein brauchbarer Überblick. Die Öffentlichkeit hat sich inzwischen beruhigt, dadurch bietet sich die Chance, jetzt im Stillen alles neu zu ordnen und dann nächstes Jahr durchzustarten. Ich freue mich auf weitere Artikel!
Also ich kann mich keineswegs den Vorrednern anschliessen. Die Probleme mit der Brandschutzanlage sind doch vorgeschoben um nicht ganz dumm da zu stehen! Ich weiss nicht, welcher Schaden größer ist: der finanzielle oder der des Image´s? Berlin – eine Hauptstadt. Und wir blamieren uns vor der ganzen großen Welt. Sorry, Herr Kunkel, das ist Drittländerniveau. Und die Ausreden passen auch dazu… 4 Wochen VOR der Eröffnung es zu merken, dass man nicht fertig wird. Habe ich wirklich null Verständnis.
Hallo Herr Kollege,
eine neue Form der Offenheit ist auf jeden Fall zu begrüßen. Vor allem brauchen alle Beteiliegten Ehrlichkeit im Umgang mit dem Thema und den Auswirkungen. Es war zwar nicht viel Neues in Ihrem Beitrag, aber es ist eine gute Form der Kommunikation. Wir Piloten hatten uns ebenfalls sehr auf die Eröffnung gefreut. Ist es doch oft an der Leistungsgrenze in TXL und wir hatten Entspannung ab Juni “gebucht”! Nun quälen wir uns durch oft frühzeitige Sinkflüge und Staffelungen bereits ab dem Frankfurter Luftraum. Damit werden unsere pünktlichen Ankünfte oft kaputt gemacht. Gute Kollegen planen mittlerweile an die 500kg Extrafuel für die Verzögerungen beim Anflug auf TXL ein. Auch beim Abflug ist es oft ein rangieren um die pünktliche Abflugzeit. Die Lotsen sind alles andere als Erfreut und müssen ihre ratings für den BER bereist ab Oktober erneuern.
Nichts desto trotz freut sich jeder über eine neue Form der ehrlichen Kommunikation und einer Abstrafung der Veranmtwortichen. Und dazu gehört leider auch Dr. Rainer Schwarz. Viele fragen nach seinem Joker mit dem er sich seinen Platz erhält….
happy landings
In einem Jahr ist alles vergessen und der BER läuft rund! Davon bin ich fest überzeugt! Also Kopf hoch, Ärmel hochkrempeln und weiter gehts…
Hallo Herr Träger, als Deutschlandfunk-Journalistin interessiert mich natürlich Ihr Kommentar. Könnten Sie Kontakt mit mir aufnehmen?? Danke! claudia.vanlaak@dradio.de
Nur zufällig erfuhr ich von der verschobenen BER-Eröffnung. Ich befand mich auf einer Fahrt in der sächsischen Schweiz und sah beim Einkauf im Supermarkt auf einer Zeitung das Bild vom BER! Als begeisteter Fan, Anwohner, Spotter und natürlich Nutzer des neuen Flughafens, interessierte es mich brennend was in dem Artikel stand. Ich kaufte mir also die Zeitung und las von der verspäteten Eröffnung BER’s. Erst ging ich von wenigen Wochen aus, doch nach einer Weile, merkte ich dass es doch noch etwas länger dauern würde. Ich wra geschockt! Habe ich mich doch so auf den neuen Flughafen und meinen ersten Flug vom BER gefreut! Letztendlich musste ich es doch so hinnehmen…Die Verschiebung an sich, ist für mich kein all zu großes Problem – bzw. eines mit dem ich klar kommen kann/muss – doch die späte Bekanntgabe des verschobenen Termins und die dadurch entstehenden Kosten sind imens und fallen den Bürgern schwer zur Sache! ich denke trotzdem, das BER eine gute und runde Sache wird und freue mich nun auf den 17. März – und Vorfreude ist immernoch die beste freude
Meine Meinung ist das die Verschiebung viel zu spät kam. Ich weiss natürlich das bei einer vorzeitigen Verschiebung die Firmen langsamer gearbeitet hätten. Es hat sich jedoch auch gezeigt das eine Fehlplanung zur Anzahl der Check-In Schalter gibt, das könnte bis 2013 noch behoben werden.
Wenn nur die Brandschutzanlage Probleme macht dann ist doch der Rest fertig. Es dürften doch nur noch einige hundert Arbeitskräfte vor Ort sein.
Was ich nicht verstehe ist warum ein Probebetrieb erst im Februar 2013 stattfinden soll. Viel zu spät. Die Test mit Testpassagieren, der Gepäckanlage usw. sollte sofort nach den Sommerferien fortgesetzt werden, sonst sehe ich auch 2013 als Termin gefährdet.
Die Brandschutzanlage muss bei internen Versuchen spätestens Anfang November 2012 laufen um noch genügend Zeit für Dokumentationen bis zur TüV Abbahme zu haben. Mein Tipp ist so zu tun als wenn der Flughafen am 1.1.2013 in Betrieb geht. Das hilft.
Ich möchte später nicht hören das der kalte Winter 2012/2013 Schuld an einer Verschiebung war.
Ps: Herr Kunkel, der Regierungsflughafen sollte 2013 fertig werden, bleibt es dabei? Ist ein Besuchsprogramm des BER während der ILA geplant, wäre ja möglich da das Terminal leer ist?
Ich wünsche gutes Gelingen!