Unsere Reise ging nach einer Woche Aufenthalt in Hongkong weiter nach Hanoi. Zwei Flugstunden südlicher von Hongkong sieht die Welt anders aus. Hanoi ist die Hauptstadt der Sozialistischen Republik Vietnam, in der rund sieben Millionen Menschen leben.  Vietnam gehört zu den Ländern mit der höchsten Luftverschmutzung. Kein Wunder, Tausende von Mopeds drängen sich täglich durch die engen Straßen der Hanoier Innenstadt. Die Stadt zeigt sich mit ihrem grauen Himmel im Dezember nicht gerade von ihrer freundlichsten Seite. Gegen Hanoi war Hongkong der reinste Luftkurort.

 

Neben der extremen Luftverschmutzung macht uns der chaotische Verkehr in Hanoi zu schaffen. Ein Nahverkehrsnetz gibt es – abgesehen von einen paar Stadtbussen (wohin fahren die?) – nicht. Wenn es überhaupt Fußwege gibt, dann werden die entweder mit Mopeds zugeparkt oder befahren (!) oder von Garküchen und Straßenhändlern in Beschlag genommen. Es ist ein großes Abenteuer, die Straßen zu überqueren. Ampeln gibt es nur an den größeren Kreuzungen. Doch solange man langsam läuft, fahren die Mopeds um einen herum. Wir sind größere Strecken immer mit dem Taxi gefahren. Mit kleinen Kindern, meiner Meinung nach, die beste Art, sich fortzubewegen. Das ist nicht nur spottbillig, sondern auch sicherer als durch die engen und viel befahrenen Straßen zu laufen. Allerdings darf man nicht auf Kindersitze im Taxi hoffen. 

 

Spielplätze sucht man in Hanoi vergebens. Wir haben in vier Tagen keinen einzigen gefunden. Wir hatten einen in unserem Hotel (Somerset Grand Hanoi). Überhaupt ist es sehr zu empfehlen, ein anständiges Quartier inklusive Pool und Spielplatz in Hanoi zu buchen. In dieser Stadt braucht man mit kleinen Kindern einen guten Rückzugsort. Auch wenn Hanoi kinderunfreundlich ist, gibt es ein paar Orte, die sich mit den Kids zu besuchen, eignen und an denen sie frei herum laufen können. Das sind der Lenin-Park, der Paradeplatz vor dem Ho-Chi-Minh-Mausoleum, der weitläufige Park des Gouverneurpalastes und der Literaturtempel.

 

Eine schöne Sache für Kinder ab vier ist  das Wasserpuppentheater. „Der Tanz der Marionetten auf dem Wasser“ ist ein Puppenspiel mit Musik, Trommeln und Lichteffekten vor einer Bühne auf dem Wasser. Das Spiel beruht auf einer alten vietnamesischen Tradition, in der Bauern früher auf dem nassen Reisfeld die Puppen tanzen lassen haben. Heute stehen die Puppenspieler hüfttief im Wasser. Mit Seilzügen und Bambusstangen bewegen sie die Puppen. Das ist nicht nur für Kinder faszinierend.

 

Das Chaos der Stadt wird von der Kinderfreundlichkeit der Vietnamesen wieder wettgemacht. Wir waren immer und überall herzlich willkommen. Gerade unsere kleine Tochter Holly mit strohblonden Haaren war der Star. Sie wurde manchmal regelrecht „entführt“ und ununterbrochen fotografiert. Vor allem die jüngeren Vietnamesen sprechen meist etwas Englisch. Dadurch konnten wir uns gut verständigen.

 

Das zweite, das man der Stadt zugute halten muss, ist ihre Küche. Das vietnamesische Essen hat nicht nur uns hervorragend geschmeckt, sondern auch unseren Kindern. Das Essen ist sehr mild und bekömmlich. Eine Hanoier Fisch-Spezialität, die man unbedingt probieren muss, ist Cha Ca, gebratener Fisch mit Kräutern und Reisnudeln. Das Gericht bereitet sich jeder selbst am Tisch in einer Pfanne zu. Es gibt Restaurants, die nur dieses eine Gericht anbieten (z.B. Cha Ca Thang  Long, 21 Duong Thanh Street). Wer Gerichte aus verschiedenen Regionen probieren möchte, sollte zu Quan An Ngon gehen ( Phan Boi Chau Street), einer Art Open Air Food Court mit Bedienung.

 

Nach vier Tagen turbulentem Stadtdschungel hatten wir uns eine Auszeit am Strand im Süden Vietnams verdient. Als nächstes Ziel stand Mui Ne an der südlichen Zentralküste Vietnams auf dem Reiseplan. Darüber lesen Sie in meinem nächsten Blog-Eintrag.

 

Veröffentlicht am: 16.02.2012
von Katrin Knauth in Ganz nah, ganz fern
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Katrin Knauth

Katrin Knauth

Katrin Knauth betreut seit 2007 als freie Redakteurin verschiedene Flughafen-Publikationen. Wer das Magazin Gate oder die Travel News aufschlägt, liest häufig Artikel von ihr. Für den Blog schreibt sie über neue Ziele, Reisen mit Kindern und Berliner Kulturthemen. Sie liebt das Schreiben ebenso wie das Reisen. Ihr Lieblingsreiseziel: Südostasien.
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