Flughafen wertet derzeit erste Proben seines freiwilligen Umweltuntersuchungsprogramms aus

 

Die Schüler der Astrid-Lindgren-Grundschule in Schönefeld sind ein bisschen aufgeregt. Acht Wochen lang haben sie Wetterdaten notiert und darauf geachtet, dass „ihrem Kohl“ hinter dem Schulgebäude nichts passiert. Und heute wird der Kohl geerntet.

 

Einen schmackhaften Grünkohleintopf dürfen die Schüler daraus allerdings nicht kochen, denn bei den auf Stangen wachsenden Kohlpflanzen handelte es sich um einen von zehn Standorten, an denen die Berliner Flughäfen nach wissenschaftlichen Methoden die Luftbelastung mittels Grünkohlpflanzen erfasst. Ziel des freiwilligen Untersuchungsprogramms des Unternehmens ist es, die Verbreitung von Luftschadstoffen und deren Wirkung auf die Umwelt im Flughafenumfeld zu untersuchen und öffentlich zu dokumentieren.

 

Die Untersuchung wird nach genauen Vorgaben des Vereins Deutscher Ingenieure durchgeführt. Das fängt mit der Erde an, in der die Pflanzen angezogen werden, reicht über Vorgaben zum Gießwasser bis hin zu den Erntemethoden. Für das Umweltmonitoring mittels Grünkohl gelten damit vergleichbar strenge und sichere Standards wie für ein technisches Messgerät.

 

Die Kohlpflanzen wurden in Töpfen auf einer Stange aufgestellt und haben über acht Wochen Schadstoffe aus der Luft aufgenommen. Nun werden die Blätter der Pflanzen mit einer Schere aus Keramik abgeschnitten und vorsichtig in Papiertüten verpackt. Wissenschaftlerin Dr Monica Wäber vom UMW Umweltmonitoring, die die Untersuchung durchführt, trägt bei der Ernte Gummihandschuhe wie die Spurensicherung. Die Schüler der Astrid-Lindgren-Grundschule helfen ihr. „Wir wollen nicht, dass durch Fehler bei der Ernte zum Beispiel Spuren von Metall an den Grünkohl gelangen, die die Ergebnisse verfälschen würden.“, erläutert sie. Das Münchner Institut UMW Umweltmonitoring wird die Pflanzen auf Rückstände von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und Schwermetallen untersuchen lassen. „Diese Stoffe treten unter anderem als Rückstände von Verbrennungsprozessen aus Heizungsanlagen sowie dem Straßen- und Luftverkehr auf“, weiß Dr. Monica Wäber. Die Untersuchungsergebnisse werden in den kommenden Jahren kontinuierlich und in einer für Nichtfachleute nachvollziehbaren Fassung veröffentlicht. Die ersten Ergebnisse aus dem so genannten Biomonitoring sollen im Frühjahr 2012 vorgestellt werden.

 

Das sonnige Wetter während der Wachstumsperiode hat dem Kohl ideale Bedingungen geboten. Für die Untersuchung positiv: Seit gut sechs Wochen hat es nicht geregnet, so dass die Luftschadstoffe nicht vom Regen „abgewaschen“ werden konnten.

 

Die Berliner Flughäfen haben das über mehrere Jahre angelegte Umweltuntersuchungsprogramm bereits deutlich vor Aufnahme des Flugbetriebs am neuen Flughafen Berlin Brandenburg gestartet, um die Umweltwirkungen des Luftverkehrs im Flughafenumfeld kontinuierlich zu dokumentieren.

 

Schönefelds Ortsvorsteher Robert Rust informierte sich bei der Aufstellung und Ernte der Kohlpflanzen an der Astrid-Lindgren-Grundschule und begrüßte das Untersuchungsprogramm der Berliner Flughäfen: „Der Flughafen schafft damit Transparenz und ermöglicht Nachbarn und Mitarbeitern, sich über die Umwelt im Flughafenumfeld zu informieren.“

 

Die Messpunkte sind nahe der Start- und Landebahn, in Schönefeld und Blankenfelde-Mahlow, nahe der Autobahn und in landwirtschaftlich genutzten Gebieten fern des Flughafens platziert, um einen Vergleich der Belastungssituation zu ermöglichen.

 

Mit einer Modellrechnung hatte das Unternehmen bereits im Rahmen der Genehmigung des Flughafenausbaus nachgewiesen, dass mit einer über das zulässige Maß hinausgehenden Beeinträchtigung des Umlandes durch Luftschadstoffe nicht zu rechnen ist.

 

Das Biomonitoring mittels Grünkohl ist ein weiterer Baustein unseres Umwelt-Untersuchungsprogramms. Neben dem Grünkohl-Monitoring untersucht der Flughafen auch Honig, Pollen und Waben, um Aufschluss über die Umweltwirkungen des Flugverkehrs zu erhalten. Eine Luftgüte-Messstelle hat bereits im Juli 2011 den Probebetrieb aufgenommen.

 

 

Veröffentlicht am: 12.12.2011
von in Umwelt und Umland
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Jochen Heimberg

Jochen Heimberg

Jochen Heimberg leitet die Stabsstelle Umwelt der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH. Leitsatz seiner Arbeit könnte das Kohl’sche Kanzlerwort sein „Es kommt drauf an, was hinten rauskommt“. Wie können wir noch stärker den Kohlendioxidausstoß minimieren, Abfall vermeiden, Fluglärm mindern, den Wasser- und Energieverbrauch senken? Auch der Schutz des Bodens, des Grundwassers und der Oberflächengewässer stehen auf seiner Agenda. Im Blog berichtet er auch über die Anstrengungen des Flughafens bei der Überwachung der Luftgüte. Und als studierter Landschaftsplaner ist sein Team auch für die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen verantwortlich, mit denen die Flughafengesellschaft ein grünes Band rund um den BER entwickelt.

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