von Ralf Kunkel

 

Manchmal dauert es etwas länger. Ein dreiviertel Jahr hat sich die Fluglärmkommission mit den Flugrouten für den Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt beschäftigt. Seit heute sind wir einen entscheidenden Schritt weiter: Jetzt wissen wir, mit welchen Flugrouten die Deutsche Flugsicherung DFS ins Genehmigungsverfahren gehen will. Und siehe da: Die Arbeit der Fluglärmkommission hat sich gelohnt. Die DFS hat wichtige Vorschläge der Kommission übernommen.

 

Zunächst: Von der Nordbahn des neuen Flughafen soll in beide Richtungen wieder geradeaus geflogen werden. Am 6. September hatte die DFS noch vorgeschlagen, bei Starts in Richtung Westen von der Nordbahn Richung Norden abzukurven und die südlichen Berliner Speckgürtelgemeinden Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow zu überfliegen. Dieser Flugroutenentwurf gehört nun der Vergangenheit an. In Richtung Osten hat sich die DFS für zwei Routen entschieden, eine Abflugroute, die über den Müggelsee führt und eine zweite, die bis zur Höhe von Erkner geradeaus verläuft. Interessant sind auch die Routenplanungen für die Südbahn: Im Westen wird um 15 Grad nach Süden abgekurvt, so dass Blankenfelde südlich umflogen werden kann. Im Osten nehmen die meisten Flugzeuge eine scharfe Kurve und vermeiden so einen Überflug von Schulzendorf, Zeuthen und Eichwalde.

 

Unter dem Strich bringen die bereits sehr detaillierten Flugroutenplanungen der DFS nicht nur eine Entlastung gegenüber den Vorschlägen vom 6. September 2010, die eine Welle der Empörung in Berlin und Brandenburg ausgelöst hatten. Auch gegenüber den ursprünglich geplanten Geradeausstarts, wie sie im Flughafengenehmigungsverfahren angenommen wurden, bringen die neuen, maßgeschneiderten Routen eine substanzielle Entlastung der Anwohner. Diesen Erfolg können sich vor allem die zahlreichen Bürgerinitiativen ans Revers heften, die in den zurückliegenden Monaten für eine verbesserte Routenplanung gefochten haben. Auch die Arbeit der Fluglärmkommission finde ich bemerkenswert: Trotz gegenläufiger Interessen konnte sich die Kommission unter dem Vorsitz von Kathrin Schneider auf erstaunlich viele gemeinsame Punkte verständigen. Die DFS ist in weiten Teilen den Kommissionsempfehlungen gefolgt. Das zeigt einerseits, welch kompetente Arbeit das Gremium geleistet hat, andererseits aber auch, dass die DFS konstruktiven Vorschlägen gegenüber aufgeschlossen war und ist.

 

Zu guter Letzt: Nicht alle Beteiligten werden mit dem nun vorliegenden Kompromiss zufrieden sein. Das liegt in der Natur der Sache. Aber er bringt für viele eine deutliche Entlastung gegenüber den bisherigen Planungen. Und dass es weiterhin unter den Bürgerinitiativen ein paar Hardliner geben wird, die große Verschwörungstheorien rund um die Routenplanung spinnen – geschenkt. Manchmal dauert es eben etwas länger. Aber unterm Strich kann sich das Ergebnis von neun Monaten intensiver Flugroutendiskussion und -planung sehen lassen.

 

Die Routenplanung der DFS in der Übersicht.

 

Veröffentlicht am: 04.07.2011
von in Flughafen BER
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gastautor

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Egal, ob freie oder ehemalige Mitarbeiter, Kollegen aus anderen Abteilungen, Freunde des Flughafens oder ‚Flinke Federn‘ im Allgemeinen – unter der Kennung "Gastautor" schreiben alle, die nur sporadisch über den BER bloggen. Neue Perspektiven und ungewöhnliche Geschichten liefern Abwechslung für den Blog.
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Kommentare (1)

  1. Hübner schrieb am 10. August 2011:

    Mal ein Vorschlag von mir:

    Warum werden die Flugrouten nicht alle 2 Monate geändert? Warum müssen die permanent gleich sein?
    So werden immer mal wieder die einzelnen Gebiete entlastet. Das kann doch eigentlich nicht so schwer sein.

    Man stelle sich einen Kreisverkehr vor und jeder ist mal dran.
    Vielleicht sollte man diesen Vorschlag mal an die entsprechenden Stellen weiter leiten.

    MfG

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