von Jana Schulz-Preuß

Wahrscheinlich käme niemand auf die Idee, den Satz „Das Busfahren ist das Leben wert“ auf seinen Grabstein meißeln zu lassen. Mit dem Fliegen ist das anders. Zahllose Romantisierungen ranken sich um die Fliegerei, und auf viele Menschen übt sie eine tiefe Faszination aus – bis dahin, dem Fliegen das ganze Leben zu widmen.

 

Der sprichwörtlichen Freiheit über den Wolken war auch Marga von Etzdorf verfallen.1907 in Berlin geboren und aufgewachsen, entschied sie sich als 19-Jährige, eine Ausbildung zur Pilotin zu machen. Sie bestand die Flugprüfung – aber am Ziel ihrer Träume war sie noch lange nicht. Als erste Frau in Deutschland ergatterte Marga von Etzdorf eine Stelle als Co-Pilotin bei der Lufthansa. Nach mehreren spektakulären Langstreckenflügen mit ihrem eigenen Flugzeug, einer davon führte sie im Alleinflug nach Tokio, wurde sie von der Presse als Heldin der Nation gefeiert.

 

Das Leben von Marga von Etzdorf endete so kompromisslos, wie sie es geführt hatte: mit einem Selbstmord nach einer Zwischenlandung in Syrien. Da war die Pilotin gerade mal 25 Jahre alt. Ihr Grabstein auf dem Berliner Invalidenfriedhof trägt die von ihr selbst gewählte Aufschrift: „Der Flug ist das Leben wert“.

 

Heute ist Marga von Etzdorf wie viele andere Flugpionierinnen vergessen. Um ihre Leistungen in der Fliegerei anzuerkennen, aber auch um daran zu erinnern, mit wie viel Mut, Abenteuerlust und eisernen Nerven Frauen ihren Platz im Cockpit erobert und ein neues Frauenbild geschaffen haben, haben die Berliner Flughäfen und die Gemeinde Schönefeld beschlossen, Straßen am neuen Hauptstadt-Flughafen nach drei berühmten Fliegerinnen zu benennen. Die Wahl fiel auf Melli Beese (1886 bis 1925), die erste Frau, die in Deutschland eine Pilotenlizenz erwarb, Elly Beinhorn (1907 bis 2007), die in den 1930er-Jahren etliche Langstreckenrekorde aufstellte, und die beschriebene Marga von Etzdorf (1907 bis 1933).

 

Und ja, meine Herren, es wurde auch an die männlichen Flugpioniere gedacht. Fünf von ihnen geben den Straßen am neuen Flughafen ihren Namen: Hugo Junkers (1859 bis 1935), Gründer der Fluggesellschaft Junkers Luftverkehr AG, die mit dem Deutschen Aero Lloyd zur Luft Hansa fusionierte, Hugo Eckener (1868 bis 1954), der das Werk des Grafen Zeppelin fortführte und Luftschiffe baute, Brunolf Baade (1904 bis 1964), der Vater der DDR-Luftfahrtindustrie, August-Heinrich Euler (1868 bis 1957), Gründer der Euler-Flugmaschinenwerke als erste deutsche Fabrik für Motorflugzeuge, sowie Georg Wulf (1895 bis 1927), Flugzeugbauer und Mitgründer der Focke-Wulf-Flugzeugbau AG.

 

Veröffentlicht am: 23.03.2011
von in Flughafen BER, Luftverkehr
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Kommentare (1)

  1. E. Tscharntke schrieb am 26. März 2011:

    Danke für den informativen Artikel. Aber so ganz sind die Flugpionirinnen nicht vergessen – im Gegenteil.
    So wurden drei Straßen auf dem neubebauten, ehemaligen Flugplatzgelände in Gatow nach deutschen Flugpionierinnen benannt: Amelie-Beese-Zeile, Marga-v.-Etzdorf-Str., Thea-Rasche-Zeile (erste Deutsche
    mit Kunstflugschein – 1899-1971) Nach Edmund Rumpler, dem Konstrukteur der „Rumpler Taube“, die
    übrigens auch von Mellie Beese geflogen wurde, wurde eine Straße benannt. Auch August-Heinrich Euler
    (August-Euler-Zeile) wurde durch eine Straßé geehrt.

    Zwar ist der Ansatz zur Namensgebung in diesem Neubaugebiet ein anderer als am zukünftigen Flughafen
    in Schönefeld, aber vergessen sind die Flugpioniere beiderlei Geschlechts nicht.
    Mit freundlichen Grüßen
    Eveline Tscharntke

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